Desg-affäre: dokumente belegen erzwungene teilnahmegebühren für athleten
Matthias Große behauptete öffentlich, seine Athleten zahlten „null Euro“ – doch interne Schreiben der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft sprechen eine andere Sprache. Sie fordern konkret: 142,31 Euro für die EM, 500 Euro für Salt Lake City, 25 Euro pro Lehrgangstag – und das von Sportlern, die schon längst in der Nationalmannschaft stehen.
Das papier, das große schweigen lässt
Die DESG-Abrechnungsmodalitäten, seit Oktober 2023 auf ihrer Homepage einsehbar, definieren Eigenbeteiligungen für alles: Verpflegung, Übergepäck, An- und Abreise. Ein Satz aus der Mail an Perspektivkader vor dem Lehrgang 2024 prallt gegen die PR-Rhetorik des Präsidenten: „Die Kosten müsst ihr vorerst leider selber finanzieren.“ Kein Wort von freiwilliger Reiseverlängerung, kein Hinweis auf spätere Erstattung – nur die knappe Aufforderung, sich selbst um Unterkunft zu kümmern.
Die Summen mögen für Außenstehende bescheiden wirken. Für Nachwuchsfahrer, die neben Studium und Nebenjob bereits Equipment und Physiotherapie stemmen, sind sie ein Zusatzjob. Und sie treffen auf ein Budget, das Große selbst als „schwarze Zahlen“ feierte. Dass der Bund im selben Atemzug einen Förderstopp verhängte, bleibt vage begründet – das BMI nennt keine Details, der Verband schweigt zur Kasse.

Angst vor dem eigenen verband
Keiner der Befragten will namentlich zitieren. „Der Ablauf war nie so, dass wir mitentscheiden konnten“, sagt ein Aktiver. Stattdessen gibt es Einladungen, in denen die Gebühr direkt aufgedruckt steht – zwei Tage vor dem Wettkampf. Wer widerspricht, riskiert wie Olympiateilnehmer Fridtjof Petzold ein Startverbot. Die Drohkulisse wirkt: Sponsorenlogos glühen auf den Trikots, doch die Einnahmen fließen nicht an die Träger.
Große kontert mit Anwaltsschreiben und Hausverbot für kritische Reporter. Die Taktik ist alt, das Vorgehen neu: Während die ARD-Fakten seit Wochen liegen, antwortet der Verband erstmals – mit juristischer Abmahnung statt Transparenz. Die Athletenvertretung hat die „verpflichtende Teilnahme“ mittlerweile offiziell als problematisch eingestuft. Konsequenz: Die Pflicht fiel weg, die Zahlung blieb. Eine halbe Reform, ganz im Sinne des Präsidenten.
Der deutsche Eisschnelllauf rutscht in eine Lethargie, während die Niederländer die Medaillen abstauben. Die nächste Olympia-Quali rückt näher, die Kasse der Sportler bleibt leer. Große spricht vom „null Euro“-Modell – die Quittungen in den E-Mail-Ordnern seiner Athleten dagegen summieren sich. Wenn das kein Skandal ist, was dann?
