Rwo hängt sich auf: einzelpatzer kosten platz eins, vision 2030 soll rettung bringen

Rot-Weiß Oberhausen patzt wieder mit dem Kopf am Ziel vorbei. Das 2:2 gegen Schalke II offenbart die alte Schwäche: plötzliche Blackouts einzelner Spieler, die Fortuna Köln mit acht Punkten Vorsprung davontrudeln lassen. Trainer Sebastian Gunkel stemmt sich gegen das Scheitern, doch die Wahrheit ist hart: Ohne mentale Stabilität wird aus dem Aufstiegsträumchen nur ein Placebo.

Marc uhlig schickt crowdfunding-armee ins rennen

Geschäftsführer Marcus Uhlig zündet trotzdem die nächste Rakete. Statt Jammern: 50-Millionen-Vision bis 2030. Stichwort: „Top 50 in Deutschland“. Klingt nach Hirngespinst, doch Uhligs Excel-Tabelle ist kein frommer Wunschzettel. Er will die Zuschauerzahl verdoppeln, Mitgliederzahlen hochschrauben und die marode Kanalkurve in ein Multifunktionsarena mit 3.000 Sitzplätzen verwandeln. Kosten? Noch offen. Finanzierung? Crowdfunding-Kampagne, die sich an das Stadiongeburtsjahr 1926 anlehnt – 26 Euro-Scheinchen sollen fliegen, dann 26.000, dann 260.000. Symbolik statt Stadtwerke-Gelddruckmaschine.

Oberhausen als Eigentümerin des Niederrheinstadions spielt mit, aber nur auf Papier. Kommune blank, Haushalt klamm. Machbarkeitsstudie läuft, Ergebnis: Abriss und Neubau der Kurve kosten Millionen, die derzeit nur im Kopf von Uhlig existieren. Er zählt stattdessen auf 129 Sponsoren, 43 mehr als vor seinem Amtsantritt. Kleine Firmen, große Namen, alle sollen zahlen. Ob das reicht, die Kanalkurve zu beerdigen? Fraglich. Aber Uhligs Motto bleibt: „Wo Wille gewinnt.“

Franz krauthausen warnt: „glaube reicht nicht, wenn der gegner trifft“

Franz krauthausen warnt: „glaube reicht nicht, wenn der gegner trifft“

Vereinslegende Franz Krauthausen, frisch 80, dampft nach dem Schalke-Spiel seine Pfeife und sagt: „Man muss ein Ziel haben und fest daran glauben.“ Klingt nach Klischee, ist aber die nüchterne Erkenntnis von jemandem, der 1969 noch mit RWO in der Bundesliga kickte. Glauben allein reicht nicht, wenn Torhüter und Innenverteidigung Sekundenbruchteile lang einnicken. Gunkel weiß das, seine Spieler auch. Die letzte halbe Stunde gegen Schalke war ein Aufbäumen, ein fast-Wunder. Gerecht wäre ein Sieg nicht gewesen, sagt Gunkel selbst. Ehrlichkeit als kleiner Trost.

Am Samstag kommt 1. FC Köln II. Kein Spitzenteam, aber ein Spiegel. Wenn RWO dort wieder patzt, flattert die Vision 2030 nur als Flyer in der Kanalkurve umher. Uhlig wird weiter telefonieren, Gunkel weiter schimpfen, Krauthausen weiter glauben. Die Frage ist: Wer zahlt für den Glauben? Die Antwort steht auf dem Rasen – und auf dem Crowdfunding-Account. 26 Euro sind schon mal eingegangen. 259.974 fehlen noch.