Johannes thingnes bö: enttäuschung über deutschland, wünsche für preuß und ein neues leben

Johannes thingnes bö: ein blick hinter die kulissen der olympischen spiele

Johannes Thingnes Bö, eine Biathlon-Legende, hat seine Karriere beendet, ist aber bei den Olympischen Spielen in Antholz als TV-Experte im Einsatz. Im exklusiven Interview mit SPORT1 spricht der Norweger offen über die enttäuschenden Leistungen des deutschen Teams, seine Wünsche für Franziska Preuß und sein neues Leben abseits der Loipe. Bö, mit seinen beeindruckenden Erfolgen – Rekordweltmeister, fünfmaliger Gesamtweltcup-Sieger, 88 Weltcup-Siege und fünf olympische Goldmedaillen – blickt auf seine Vergangenheit zurück und gibt Einblicke in seine Zukunft.

Karriereende ohne wehmut

„Nein, das ist kein Thema für mich“, antwortet Bö auf die Frage, ob er es vermisst, selbst wieder anzutreten. „Als ich mit dem Biathlon aufgehört habe, habe ich auch die Möglichkeit aufgegeben, zurückzukommen und mit anderen zu konkurrieren.“ Er gesteht jedoch, dass er die Ergebnisse der Rennen verfolgt hat, um zu sehen, welche Platzierungen er möglicherweise noch erreicht hätte. „Ich bin immer noch gut mit dem Team befreundet und war sehr nervös vor dem Rennen. Es ist immer noch in meiner DNA, mich messen zu wollen.“

Einfacher übergang ins „normale“ leben

Einfacher übergang ins „normale“ leben

Überraschenderweise fiel Bö der Übergang ins „normale“ Leben leicht. „Bis Weihnachten vorletztes Jahr war ich mir immer noch sicher, dass ich bei diesen Olympischen Spielen dabei sein werde. Aber es hat sich über Nacht geändert.“ Nach seinem Rücktritt erlebte er ein erfülltes Jahr, voller Zeit mit seiner familie und seinen Hobbys. „Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns auf dieser Erde bleibt. Ich habe viel im Biathlon erreicht und jetzt kann ich meine Zeit für andere Dinge nutzen, die ich gern tun würde.“

Neue rolle als tv-experte

Als Experte für das norwegische Fernsehen sieht Bö seine neue Aufgabe als Bereicherung. „Ich kenne die norwegischen Athleten, das Team, die Trainer und auch ihre Stärken und Schwächen.“ Er gibt zu, dass sein Wissen möglicherweise nicht immer korrekt ist, aber er genießt die Arbeit im Fernsehen. „Ich hatte einige Momente, da habe ich Dinge vorhergesagt und dann sind sie tatsächlich passiert. Aber ich habe auch mal gesagt: ‚Vermutlich sehen wir heute viele Athleten, die rechts daneben schießen.‘ Und der nächste Athlet hat dann links daneben geschossen.“

Emotionale worte zum tod von laura dahlmeier

Der Tod von Laura Dahlmeier hat Bö tief getroffen. „Laura und ich sind beide im Jahr 1993 geboren. Sie war die erste Athletin, die ich bei den Junior-Weltmeisterschaften getroffen habe.“ Er beschreibt sie als eine unglaubliche Sportlerin und ein tolles Vorbild. „Sie hatte immer ein großes Lächeln auf den Lippen, immer Spaß am Sport, aber auch eine größere Perspektive neben dem Sport.“

Enttäuschung über die deutsche mannschaft

Bö äußert seine Enttäuschung über die Leistungen der deutschen Mannschaft. „Ich bin sehr enttäuscht von den Deutschen. Sowohl die Damen als auch die Herren waren nicht gut genug.“ Er betont, dass Norwegen und Frankreich derzeit einen deutlichen Vorsprung haben und es wichtig sei, Deutschland wieder auf das Podium zu bringen. „Franzi (Preuß) war nah dran, sie hat das Podest zwei-, oder dreimal knapp verpasst. Das ist auch der Grund, warum wir Biathlon lieben.“

Wünsche für franziska preuß

Für Franziska Preuß, die ihren letzten Olympia-Lauf bestreitet, hat Bö nur ermutigende Worte. „Ich würde Franzi einfach viel Glück wünschen und sagen: ‚Entspann dich, habe Spaß.‘ Ich glaube an eine Medaille für Franzi im Massenstart, das tue ich wirklich.“

Pläne für die zukunft

Bö hat bereits einen Marathon gelaufen, den er als „dümmste Idee“ bezeichnete. Er plant, weitere Sportarten auszuprobieren, darunter Golf, Tennis und Fußball. „Ich lege gerade erst los. Ich werde meine eigenen Olympischen Spiele zu Hause ausrichten mit verschiedenen Sportarten (lacht).“