Jeong schlägt in freiburg ein: union entkommt dem keller mit letztem atemzug

Die Uhr stand auf 90+2, als Woo-Yeong Jeong im Schwarzwald-Stadion eiskalt zuschlug und Union Berlin aus dem Grauen der Abstiegszone in helle Erleichterung katapultierte. Mit dem 1:0 beim SC Freiburg schnappt sich die Mannschaft von Steffen Baumgart den ersten Auswärtsdreier seit Ende Dezember – und sieben Punkte Vorsprung auf Rang 16 bei nur noch acht Spielen. Das ist kein Pflaster, das ist ein Polster.

Ein debütant mit tape und traum

Matheo Raab stand kurz vor dem Anpfiff noch in der Kabine, bandagierte sich die Hand, die er sich beim Aufwärmen eingeklemmt hatte. Kein Problem. Der 22-Jährige hielt, was Union brauchte: eine Parade gegen Jan-Niklas Beste in der 88., einen Schlag auf die Schulter von Baumgart direkt nach Abpfiff. „Der Junge hat Herz und Schmerzen ignoriert“, sagte der Coach, der ihn erst wegen Frederik Rönnows Fußleiden aufgestellt hatte. Raabs Debüt wird in den Geschichtsbüchern stehen, weil es das erste Mal war, dass ein Union-Keeper in Freiburg die Null hielt – und weil er es mit einer verbundenen Hand tat.

Die erste Hälfte war ein Spiegelbild der Tabellenlage: Freiburg wollte, aber konnte nicht; Union wollte nicht, aber musste. Die Breisgauer ballerten aus der Distanz, Eggestein und Irié schossen sich die Lederblume über die Latte. Berlin stand tief, wartete auf Konter, die nicht kamen. Die Statistik sprach für Freiburg: 72 Prozent Ballbesitz nach einer Stunde. Die Wahrheit sprach für Union: kein Gegentor, kein Nervenzusammenbruch.

Schuster sieht serie reißen, baumgart sieht licht

Schuster sieht serie reißen, baumgart sieht licht

Julian Schuster biss sich nach dem Schlusspfiff auf die Zunge. 16 Heimspiele ohne Niederlage – weg. „Wir haben den Gegner nicht früh genug verheizt“, sagte er, ohne die Kante zu verlieren. Sein Team spielte wie ein Labor, das vergessen hatte, wie man Tore erzeugt. Union dagegen spielte wie ein Notfallplan, der endlich funktioniert. Alex Kral scheiterte in der 69. noch an Atubolu, doch Jeong nutzte den einzigen zweiten großen Moment. Die Flanke von Schäfer, der Lauf von Haberer, die Innenverteidigung in Zeitlupe – und der Südkoreaner vollendet. 1:0, Ende, Ausverkauf.

Die Eisernen reisen als Sieger, aber vor allem als Entlastete zurück nach Köpenick. Die Saison ist noch lang, doch wer sieben Punkte Vorsprung verspielt, der hat nichts mehr in der Bundesliga verloren. Union will nichts mehr verspielen. Am Freitag kommt Bochum, dann wird wieder geschrien, getanzt – und vielleicht auch wieder gezittert. Aber diese eine Nacht im Breisgau bleibt. Sie war der Beweis, dass selbst ein Kellerkind noch tanzen kann, wenn der Joker den richtigen Schlagzeitpunkt trifft.