Jantscher packt aus: warum salzburg in graz verlieren muss
Salzburg ohne Tor in vier Spielen – das gab es seit der Red-Bull-Ära noch nie. Jakob Jantscher lacht kurz, dann wird er ernst: In Graz will aktuell keiner spielen. Der Sturm-Icon erklärt im kicker-Gespräch, warum sein Herzensklub die Meisterschaft am Sonntag nicht mehr hergibt – und warum Daniel Beichler trotz Freundschaft leer ausgeht.
Beichler steht vor einer „höllenwoche“
Der neue Salzburg-Coach ist seit zehn Tagen im Amt, seine Aufgabe: eine Offensive wieder flott kriegen, die seit 360 Minuten stutzt. Jantscher kennt den 38-Jährigen noch aus gemeinsamen Graz-Zeiten: Beichi lebt für Taktikbretter, sagt er, aber er braucht Zeit. Die hat er nicht. Nach dem 0:0 gegen Tirol folgt am Freitag die Schwarzwald-Atmosphäve im Merkur-Stadion, dann LASK und Sturm erneut im Cup. Drei Finals in sieben Tagen – mit einem Team, das kein Tor trifft und intern die Zweikampfwerte einer U-15-Elf liefert.
Die Statistik ist brutaler als jedes Spielanalysevideo: Salzburg schoss in der Liga zuletzt 27 Schüsse, traf keinen. Die xG-Summe der letzten vier Partien: 4,8 – Tore: 0. Die Daten schreien nach einem System-Reset, sagt Jantscher. Aber ein Trainerwechsel Mitte März ist kein Software-Update, sondern ein Handumdrehen an der offenen Wunde der Selbstzweifel.

Österreichs fußball schlittert auf platz 17 ab
2018 noch Achter in der Fünfjahreswertung, liegt die Bundesliga jetzt hinter Zypern und Schottland. Jantscher zieht die Bilanz ohne Beschönigung: Wir haben verschlafen, wie man mit Ballbesitz gewinnt. Er nennt Bodø/Glimt als Lehrstück: norwegische Laufwerte wie bei einem Marathon, aber kombiniert mit Spielfreude statt Zweikampf-Roulette. Dort holen Spieler ohne Instagram-Blauen Haken Champions-League-Punkte – bei uns sucht man auf den Scout-Listen verzweifelt nach dem nächsten Haaland und findet nur Leihverträge.
Die Folge: Legionäre schauen lieber nach Prag als nach Salzburg. Die Liga verkauft sich als Sprungbrett, liefert aber seit 2022 nur mehr Gruppenphasen-Ausscheiden. Wenn der Markenwert sinkt, sinkt die Qualität – und umgekehrt, sagt Jantscher. Die Nationalmannschaft profitiert davon nicht: 42 Prozent der EURO-2024-Quali-Minuten kamen von Bundesliga-Spielern, 2016 waren es noch 68.

Kiteishvili rückt an vastic heran
Den Heilsbringer in Graz sieht Jantscher direkt vor sich: Otar Kiteishvili. 1,70 Meter, 68 Kilo, aber mit Ballannahme wie ein Magnet. Ivo hat die Marke gesetzt, Otar hat das Zeug, sie zu überflügeln, sagt Jantscher. Statistisch hat der Georgier bereits mehr Balleroberungen im finalen Drittel (24) als jeder Mittelfeldspieler seit Vastic 2007. Wenn er gegen Salzburg dribbelt, fühlt sich das Stadion wie 2001 an – nur dass diesmal die Meisterschale in der Kabine steht.
Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Sturm, beträgt der Vorsprung auf Salzburg neun Punkte. Das wäre keine Vorentscheidung, sondern ein K.o.-Schlag vor dem Finale. Jantscher schmunzelt: Dann fährt Beichi mit leeren Händen zurück – und ich habe zwei Gründe zu feiern: mein Kumpel und mein Klub.
