Ivorer pokal: racing club d’abidjan erträgt 0:6 im schweigestreik – fifa prüft einschreiten
Null Bewegung, sechs Gegentore, ein Kontinent spricht über Korruption. Die Profis von Racing Club d’Abidjan stellten sich am Dienstagabend in Korhogo auf einmal wie Feldpostfiguren auf, ließen den Ball laufen, ohne ihn mehr zu berühren – und bescherten CO Korhogo den größten Sieg der Klubgeschichte. Die Bilder gingen innerhalb von Minuten durch die westafrikanischen sozialen Netzwerke, die FIFA-Sektion „Integrity“ leitete noch in der Nacht eine erste Prüfung ein.
Was die schiedsrichterakte offenbart
Referee Michele Massa hatte in der 38. Minute den Gästen nach VAR-Intervention einen Elfmeter aberkannt und Minuten später Korhogo einen zweiten Elfmeter zugesprochen – beide Male war die TV-Bildlage zweifelsfrei. Doch die Entscheidungen trafen einen Nerv: Racing-Präsident Adama Bamba sprach nach Spielschluss von „systematischem Betrug“, lokale Radiomoderatoren forderten sofortige Sperren für die Offiziellen.
Die Spieler selbst schwiegen. Statt Presseworte schufen sie eine lebende Statue: 4-4-2-Formation, Hände auf dem Rücken, Blicke starr ins Leere. Die Angriffswellen von Korhogo rollten ungehindert – Tor vier, fünf, sechs. Als die Uhr die 90. Minute zeigte, applaudierte nur der kleine Block der Heimfans; die restlichen 12 000 Zuschauer verharrten in verblüfftem Schweigen.

Strafen stehen bevor – doch die liga zögert
Der ivorische Verband FIF bestätigte am Mittwoch ein Disziplinarverfahren, kündigte aber lediglich „mögliche Geldbußen“ an. Interne Kreise berichten, dass Präsident Sidy Diallo die Affäre als „Imageschaden für die komplette Ligue 1“ bezeichnete, aber genau darum fürchtet er einen Präzedenzfall: Schließlich hat Racing mit seinem Passivprotest eine Fernseh-Partie boykottiert, für die die Rechte bereits an französische und katarische Sender verkauft wurden.
Der Club selbst schaltete den Kameruner Staranwalt Armand Tokoto ein, der in der Vergangenheit erfolgreich die CAS-Kammer in Lausanne für westafrikanische Klubs gewann. Tokotos Strategie: Er will beweisen, dass Korhogo in den vergangenen drei Spielzeiten 23 Elfmeter zugesprochen bekam, Gegner nur vier – eine statistische Ausnahme, die laut Tokoto „nicht mehr dem Zufall, sondern einem Muster“ folge.
Die afrikanische Sportministerkonferenz kündigte für Freitag eine Dringlichkeitssitzung an. Geht es nach dem nigerianischen Delegierten Dauda Miga, muss die CAF endlich ein „Schiedsrichter-Register“ einführen, das anonymisierte Leistungsdaten veröffentlicht – ein Schritt, der in Europa längst Standard ist, in Afrika aber weiterhin an mangelnder Transparenz scheitert.
Racing-Coach Patrice Neveu nahm seine Mannschaft bereits aus dem Trainingslager, die nächste Liga-Partie am Wochenende steht unter Vorbehalt. Die Spieler wiederholen wie ein Mantra: „Wir sind keine Verrückten, wir sind nur müde betrogen zu werden.“ Für die Tabelle bleibt das 0:6 stehen, für die Geschichtsbücher Afrikas schreibt es ein neues Kapitel über den Preis von Würde in einem System, das sie nicht mehr beschützt.
