Andy schmid schaltet auf doppelpass: nationalteam plus hcl-job
Andy Schmid packt das dickste Kaliber an der Schweizer Handball-Szene an: Der 42-Jährige führt künftig Nationalmannschaft und Bundesligist HC Kriens-Luzern durch eine Saison, die 2028 mit einer Heim-EM aufläutet.
Der green light day: schweizer verband segnet doppelbelastung ab
Am Freitag, kurz nach 13 Uhr, schickte der Schweizerische Handball-Verband ein knappes Statement raus. Kein Papierkram, keine Kommission, nur ein Satz: „Wir erlauben es.“ Pascal Jenny, Präsident des SHV, erklärte später, man habe das Projekt „offen, sauber und mit klaren Regeln“ geprüft. Code für: Wir wissen, dass Schmid kein Neuling ist, der sich verbeißt.
Der Nationaltrainer selbst twitterte innerhalb von Minuten eine Art Arbeitsvertrag in 280 Zeichen: „Nationalteam bleibt First Priority, der Club wird mein Labor.“ Gemeint ist: Er will Alltagsgeruch schnüffeln, Talente hochziehen und dabei seine EM-Truppe 2028 mit Schweizer Nerven versorgen. Dafür braucht er Spielpraxis statt PowerPoint.

Kriens-luzern bekommt einen ceo mit linksherum wirbelarm
Thomas Zimmermann muss zum Saisonende den Stuhl räumen – das hatte der Tabellenzweite bereits im Februar kommuniziert. Nun bekommt der Klub einen Coach, der in Mannheim 600 Bundesliga-Spiele absolvierte und 2014 zum MVP gewählt wurde. Für Schmid ein Heimspiel auf Zeit: Er kennt die deutsche Liga, die Niederträchtigkeit des Abstiegskampfs und die Sehnsucht nach Europacup-Abenden. Kriens-Luzern will zurück in die oberen Ränge, Schmid will Spieler fürs Nationalteam reifen lassen. Passt wie Hand in Handschuh.
Die Zahlen sind hart: 34 Ligaspiele plus Pokal plus mögliche Play-offs, dazu Länderspiel-Sammelwochen und ein Weltmeisterschafts-Quali-Zyklus. Schmid rechnet mit 220 Arbeitstagen pro Jahr, 180 fallen auf den Klub. „Ich bin kein Freund von 90-Prozent-Lösungen“, sagt er, „wenn ich dabei bin, bin ich voll.“ Der Verband stellt ihm zwei Co-Trainer zur Seite, der Club finanziert eine individuelle Fitnesstruhe – Schmid nennt das „mein mobiles Headquarter“.

Warum die schweiz auf dieses pokerspiel setzt
Die EM 2028 in der eigenen Halle ist kein Kindergeburtstag. Das Organisationskomitee braucht ein Team, das Viertelfinale schafft und die Hallen zum Kochen bringt. Schmids Plan: Kriens-Luzern wird ein Dauerlehrgang. Wer dort besteht, ist EM-reif. Jenny nennt das „implizite Nachwuchsförderung auf Turbo“. Kritiker warnen vor Überforderung, Verletzungsrisiken und Interessenskonflikten, wenn Club und Nationalteam parallel um Punkte kämpfen. Schmid kontert mit einem Fakt: Ohne Alltag bleibt die Nationalmannschaft ein Ad-hoc-Konstrukt.
Die deutsche Liga schaut neidisch rüber. „Wenn sich ein frischer Impuls aus der Schweigeklause löst, profitieren alle“, sagt Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm. Schmid selbst will seine deutschen Kontakte pflegen und Talente austauschen. Ein Scouting-Netzwerk quer durch die Bundesliga entsteht. Für deutsche Clubs heißt das: Schweizer Jungstars kommen künftig mit Schmid-Logo, verhandlungsbereit und systemgeschult.
Am 30. Juni unterschreibt er in Luzern, am 1. Juli beginnt die Doppeluhr. Schmid: „Ich habe 14 Jahre Profi gespielt, zweimal Meister, einmal MVP. Aber dieses Kapitel wird das härteste – und spannendste.“ Er lächelt, zwinkert, dreht sich um – und ist schon wieder weg. Termin Nr. 1 wartet: Videoanalyse der Kriens-Jugend. Die Uhr tickt. Laut.
