Italiens zeitungsverleger zerren alten tarifvertrag in den staub
Rom. Die Federazione Italiana Editori Giornali (FIEG) schlägt zurück. Nach wochenlangen Streikrufen der Journalistengewerkschaft FNSI wirft sie der Organisation „Archaismus und Blockade“ vor. Der Grund: ein Kollektivvertrag, der laut Verlegern seit 50 Jahren nicht mehr zur Realität passt – und dennoch Luxuszuschläge für Feiertage zahlt, die 1973 abgeschafft wurden.
Der alte zopf, der niemand mehr trägt
Die Verleger rechnen hart mit sich selbst ab. Sie gestehen ein, dass sie jahrelang automatische Inflationsanpassungen gezahlt haben, um Journalisten teilweise besser zu stellen als Beamte. Doch das Modell sei „nicht mehr finanzierbar“. Die Auflagezahlen brechen ein, die Werbeeinnahmen wandern ins Netz, und die Druckkosten explodieren. Wer da weiter Feiertagsgelder für Tage auszahlt, die es offiziell nicht mehr gibt, „baut seine eigene Zukunft ab“, heißt es in einem internen Papier der FIEG.
Die Gewerkschaft weigert sich laut Verlegern, über Flexibilität zu reden. Junge Reporter sollen zwar eingestellt werden – aber nur unter alten Konditionen. Das sei „ein Widerspruch in sich“, sagt ein leitender Verhandlungsführer der FIEG, der anonym bleiben will. „Wir würden gern 500 Volontäre einstellen, aber wir können ihnen keine Karriere versprechen, die an einem 50 Jahre alten Vertrag klebt.“

Pre-retirement statt kündigungswelle
Um Stellen zu retten, griffen die Verlage tief in die Tasche: Frühverrentung statt Massenentlassungen. Die Gewerkschaft unterschrieb jeden einzelnen Sozialplan. Nun wirft sie den Verlegern vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die Antwort der FIEG: „Wir haben jeden Cent umgewidmet, statt zu kündigen. Aber irgendwann ist der Topf leer.“
Am Verhandlungstisch liegt ein Angebot: plus 2,5 Prozent pro Jahr über drei Jahre, garantiert ohne Arbeitsplatzabbau. Für die Branche, die seit 2008 ein Drittel ihrer Anzeigenkunden verlor, ist das laut Analysten ein „knapper, aber ehrlicher Deal“. Die FNSI fordert dagegen fünf Prozent plus Bonus – und droht mit weiteren Streiks rund um die Europameisterschaft.

Die uhr tickt für beide seiten
Die UEFA hat bereits intern gewarnt: Ohne Presseakkreditierung läuft nichts in Berlin, Rom und München. Die Verbände brauchen ein abgestimmtes Mediensystem, sonst verlieren sie TV-Gelder. Ein EM-Boykott der Sportjournalisten wäre für die Liga ein Schlag ins Gesicht – und für die italienischen Verlage der letzte Strohhalm, um Druck aufzubauen.
Die Frist läuft am 30. Juni ab. Wer bis dahin nicht unterschreibt, muss mit einem Sommer der leeren Zeitungskiosse rechnen. Die Verleger halten sich bedeckt: „Wir werden unseren Teil tun. Aber wir werden nicht länger ein Museum finanzieren, das niemand besucht.“
