Italiens tennis-gen-z stürmt die atp: goldrausch mit 20 jahren

Mailand schlägt wieder zu. Kurz nachdem Jannik Sinner die Sonne der Tenniswelt aufgehen ließ, rollt eine ganze Herbststurm-Generation hinterher. 20 Jahre alt, manchmal 19, und längst mit Medaillen schwerer als ihre Reisetaschen. Die neue italienische Welle hat die ATP-Tour erobert, bevor sie überhaupt wählen darf.

Gold statt puderzucker

Furio Zara, der in Mailand die Zahlen studiert, spricht von „Generation d’oro“ – und meint damit keine Marketing-Phrase. Er meint Musetti, der auf Sand so tänzelnd tritt wie ein Flamenco-Tänzer auf Adderall. Er meint Cocciaretto, deren Vorhand schärfer knallt als ein Espresso am Rastplatz Autogrill. Und er meint Arnaldi, der in drei Sätzen mehr Linien zieht als ein Mailänder Modeatelier in einer Saison.

Die Zahlen sind lauter als ein Armani-Fashion-Week-Frontrow: Seit Januar haben italienische U-21-Spieler 14 ATP-Matches gegen Top-30-Gegner gewonnen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es sieben. Der Sprung ist kein Zufall, sondern Folge eines Systems, das Kinder schon mit zwölf auf Sand, Hartplatz und Indoor rotieren lässt – wie Pizza, Pasta und Risotto auf einer Tasting-Menü-Karte.

Der wind kommt von den alpen

Der wind kommt von den alpen

Was niemand außerhalb Italiens auf dem Schirm hat: Die Fitnesstrainer der Nationalmannschaft haben die Laktatschwellen der Kids neu justiert. Stundenlange Intervallen auf 1.800 Metern in Südtirol, dazwischen mentales Training mit ehemaligen Alpin-Piloten der Air Force. Ergebnis: Musetti gewann in Monte Carlo ein Match, nachdem er im dritten Satz noch 1:4 zurücklag – und lachte dabei wie jemand, der weiß, dass er noch sieben Leben hat.

Die Sponsoren rennen. Panini druckt Sammelbilder so schnell nach, dass die Drucker heiß laufen. Ein Album kostet 80 Euro, komplett. Das ist weniger, als ein VIP-Ticket für ein Viertelfinale in Rom kostet – und trotzdem verkauft sich die erste Auflage innerhalb von 72 Stunden. Die Eltern der jungen Helden? Die halten lieber die Klappe, weil sie wissen: Reden kann man, wenn der erste Grand Slam gewonnen ist.

Die Konkurrez schaut neidisch. Spanien, das jahrelang das Monopol auf jugendlichen Temperament hatte, sieht plötzlich den eigenen Nachwuchs alt aussehen. Frankreich? Die haben Talent, aber kein System. Deutschland? Trainingsgruppen diskutieren noch über Grippe-Impfungen, während Italiens NextGen schon die nächste Insel bucht – für eine Boot-Camp-Woche mit Meereskajaks und Schlägerstemming inklusive GPS-Analyse.

Der countdown läuft

Der countdown läuft

Paris in sechs Wochen. Wer dort die Laterne zwischen 19 und 21 Jahre alt trägt, wird nicht mehr nur als Hoffnung geführt, sondern als Top-Favorit. Die Wettbüros kennen die Wahrheit: Sinner ist Titelverteidiger, aber drei seiner Landsleute notieren sich mit einstelligen Quoten. Das ist wie ein Vespa-Rennen, bei dem plötzlich vier Roller auf einmal vorne liegen – und keiner mehr bremsen will.

Die italienische Tennis-Föderation plant schon die Nachparty in Mailand. Sie haben das Museum im Foro Italico reserviert. Die Kisten mit Prosecco stehen bereit. Der einzige Unterschied zu früheren Siegesfeiern: Diesmal wissen sie, dass die Party nur die erste von vielen sein wird. Denn wenn man mit 20 schon Gold schmilzt, hat man mit 25 vor, das Zeug in Barren zu gießen.

Und wer jetzt denkt, das sei alles ein Sommerloch-Hype, der sollte wissen: Die neuen Helden haben schon einen Kalender bis 2028. Olympische Spiele in Los Angeles? Gebucht. ATP Finals in Turin? Geblockt. Sponsoren-Events in Shanghai? Geplant. Die einzige Frage, die bleibt, ist nicht ob, sondern wie viele Trophäen noch in den Koffern der jungen Italiener verschwinden, bevor sie überhaupt das Reifezeugnis in der Tasche haben.

Der Sportwelt-Countdown läuft. Und Mailand lacht sich schlapp – im Takt der Tennisbälle, die gegen die Bande knallen.