Italiens paralympiker schreiben geschichte: 16 medaillen und platz vier im nationencup – rekordjagd in den alpen

Der Schnee von Cortina d’Ampezzo war noch nicht geschmolzen, da stand das Zahlenwerk schon fest: Italien feiert die erfolgreichste Winter-Paralympics seiner Geschichte. Mit 16 Medaillen – 7 Gold, 5 Silber, 4 Bronze – landen die Azzurri auf Rang vier des Gesamtklassements, hinter China, den USA und Russland, aber vor jeder europäischen Konkurrenz. Das ist ein Sprung von sechs Plätzen gegenüber Peking 2022 und pulverisiert die alten Bestmarken von Lillehammer 1994 (13 Medaillen) und den bescheidenen Drei-Gold-Höchstständen von Innsbruck ’88, Nagano ’98 und Salt Lake 2002.

Bertagnolli und romele setzen schlusspunkte

Den goldenen Schlusspunkt setzte Giacomo Bertagnolli im Slalom der Sehbehinderten. Mit Guide Andrea Ravelli fuhr er trotz dichten Nebels und eines empfindlichen Knies die Tofana runter und holte seine fünfte Medaille aus fünf Rennen. „Ich hatte versprochen, dass ich heute für Gold fahre – Versprechen hält man,“ sagte er und lächelte, während Ravelli die Staubwolke des Zielschwungs noch in der Luft stehen ließ. Kurz zuvor hatte Giuseppe Romele im Sitzen-Ski-Wettbewerb über 20 km Bronze erkämpft. „Das ist ein Edelstein, der schwerer ist als jedes Gold,“ meinte er nach der Zielgeraden, wo seine Arme noch zitterten. Für Romele zählt nicht nur die Platzierung, sondern die Bestätigung, dass seine Umklassifizierung in die Kategorie LW11.5 ihn nicht gebremst hat.

Exoskelette und bionik: die technik hinter den rekorden

Exoskelette und bionik: die technik hinter den rekorden

Die Italiener dominierten die Alpine Ski-Welt mit 12 Medaillen aus nur vier Athleten, doch die Erfolgsstory spannt sich weiter: Snowboard-As Emanuel Perathoner und Jacopo Luchini sorgten für ein Triple-Gold in der neuen Disziplin Banked Slalom. Die Dahu genannte Eishockey-Auswahl bezwang Deutschland mit 5:2 und sicherte sich Platz fünf – ein Ergebnis, das bei 30 Lizenzierten im ganzen Land fast schon sensationell wirkt. Und im Curling zogen die Mixed-Teams nach jedem Stone das Publikum auf ihre Seite, während sich die Steine über das Cortina-Eis schoben wie Schachfiguren auf einem gläsernen Brett.

Die Zahlen sprechen für sich: 7 Einzelmedaillengewinner statt der üblichen 3, mehr Vierte Plätze als je zuvor, und ein Heimvorteil, der nicht von der Hand zu weisen ist. „Wir haben 16 Medaillen geholt – das war vor Monaten noch unvorstellbar,“ bilanzierte CIP-Präsident Luca De Sanctis. Die Athleten trugen Sensoren an den Beinen, Prothesen mit Carbon-Blades und Exoskelette, die jeden Schwung in Daten übersetzen. Die Forscher des Politecnico di Mailand haben in den vergangenen zwei Jahren 30 Prozent mehr Dämpfung in die Gelenke der Sitzhilfen eingebaut – ein Detail, das am Ende über Sekundenbruchteile entscheidet.

Die Bilanz ist glänzend, aber nicht makellos. Federico Pelizzari raste im Slalom auf Podest-Kurs, bis ein Ski sich löste und ihn aus dem Rennen warf. Ein technischer Defekt, der die Grenze zwischen Triumph und Tragödie aufzeigt. Doch selbst diese Episode kann die Stimmung nicht trüben. Die Spiele in den eigenen Dolomiten haben ein Feuer entfacht, das länger brennen soll als die Fackel in der Eisarena. Die nächste Generation schaut nicht mehr nur zu – sie will mitfahren, mitfallen, mitspielen. Und das ist am Ende die größere Medaille.