Italienischer fußball in der krise: wo ist die nächste generation?

Die Demütigung in Zenica ist nur die Spitze des Eisbergs. Italien hat wieder einmal versagt und verpasst die WM 2026. Doch die eigentliche Frage ist nicht, wer jetzt Trainer wird, sondern wo die talentierten Nachwuchskicker geblieben sind, die einst den Fußball begeistern sollten.

Ein generationenwechsel, der nie wirklich stattgefunden hat

Ein generationenwechsel, der nie wirklich stattgefunden hat

Es ist erschreckend zu beobachten, wie wenig von der goldenen Generation 2006 in den aktuellen Kader der italienischen Nationalmannschaft widergespiegelt wird. Waren es damals Spieler wie Totti, Del Piero oder Pirlo, die das Spiel diktierten, so ist es heute eine Ansammlung von mittelmäßigen Kickern, die kaum das Potenzial besitzen, ein europäisches Topteam herauszufordern. Und das Problem ist nicht nur, dass die Stars von damals nicht mehr in Topform sind – es fehlt schlichtweg an der Kontinuität, an einer klaren Entwicklungslinie für junge Talente.

Roberto Baggio, einst selbst ein Wunderkind des italienischen Fußballs und Preisträger der Ballon d’Or, wusste es bereits 2011. Sein detailliertes Reformprojekt, das über 900 Seiten umfasste, wurde ignoriert. Baggio beklagte, man habe ihm nicht die Möglichkeit gegeben, seine Ideen umzusetzen und den Fußball in Italien nachhaltig zu verändern. Ein fataler Fehler, der nun seine bitteren Früchte trägt.

Die Verpflichtung von Gennaro Gattuso, ein weiteres Mitglied der Weltmeistermannschaft von 2006, schien zunächst ein emotionaler Akt zu sein, mehr als eine strategische Entscheidung. Seine bisherige Trainerkarriere bei Klubs wie Milan, Neapel, Valencia und Marseille war alles andere als glanzvoll. Gabriele Gravina, der damalige Präsident der FIGC, pries Gattuso als „Ikone des italienischen Fußballs, dessen Trikot wie eine zweite Haut ist“. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Während Italien erneut eine Weltmeisterschaft verpasst, werden drei italienische Trainer – Carlo Ancelotti, Vincenzo Montella und Fabio Cannavaro – bei der WM im kommenden Sommer zu sehen sein. Ein ironischeres Bild hätte man sich kaum vorstellen können.

Es ist nicht so, dass es an Trainern fehlt. 15 der 20 Serie-A-Teams werden von Italienern trainiert. Doch die Zeiten, in denen ausländische Trainer wie Cesc Fàbregas (Como) oder Carlos Cuesta (Parma) als Trendsetter gelten, zeigen, dass Italien auch strukturell Probleme hat. Der Fokus scheint sich zu sehr auf die Vergangenheit zu konzentrieren, anstatt in die Zukunft zu investieren.

Von den 23 Weltmeistern von 2006 haben bis heute 17 einen UEFA-Trainerlizenz erworben. Nur wenige haben jedoch den Sprung an die Spitze geschafft. Fabio Grosso beim Sassuolo und Daniele De Rossi bei Genoa sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Filippo Inzaghi scheint mit Palermo eine gute Figur zu machen, doch die Liga ist hart.

Die Ära der großen italienischen Fußballstars scheint vorbei zu sein. Die Weltmeister von 2006 sind entweder in den Augen des Publikums verankert oder haben sich in weniger prestigeträchtigen Ligen engagiert. Andrea Pirlo trainiert in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Andrea Barzagli assistiert bei der italienischen U21-Nationalmannschaft, und Massimo Oddo trainiert die Jugend des AC Milan. Marco Amelia versucht sich in der Serie D beim Sondrio, während Mauro Camoranesi in Zypern kickt. Ein trauriger Zustand für den einst so stolzen italienischen Fußball.

Die Zukunft des italienischen Fußballs hängt davon ab, ob es gelingt, die Jugendförderung grundlegend zu reformieren und neue Talente zu entdecken und zu fördern. Sonst wird Italien weiterhin auf der internationalen Bühne eine bittere Rolle spielen.