Italien wandert zum dritten mal in die hölle von zenica – bosnien wartet mit dem messer zwischen den zähnen
Zenica, 19.45 Uhr, Bilino-Polje-Stadion. Wenn Donato Renzulli am Donnerstagabend zum Anpfiff bläst, beginnt für Italien nicht einfach ein Play-off-Finale, sondern eine neue Runde der Selbstfindung zwischen Angst und Größe. Die Squadra Azzurra steht vor dem dritten WM-Finalticket in Folge, das sie sich in der Relegation erkämpfen muss – und wieder lauert eine Balkan-Falle.
Die geister von palermo und palermo sind längst nicht vertrieben
Schweden 2017, Nordmazedonien 2022 – beide Male endete der Traum vor eigenem Publikum in Tränen. Nun droht das Déjà-vu in Bosnien, wo die Hausherren seit zwölf Monaten nur ein einziges Heimspiel verloren haben (0:2 gegen Österreich). Edin Dzeko, 38, strahlt noch immer Torgefahr aus, während Kerim Alajbegovic, 19, mit Eintracht-Frankfurt im Rücken die neue Sturmgeneration verkörpert. Gegen Wales drehten die Bosnier einen 0:1-Rückstand in ein Elfmeterdrama – mental bereit, das nächste Großes zu kassieren.
Italien selbst kam im Halbfinale nur mühsam über Nordirland hinweg. 0:1 zur Pause, das Stimmungsbild im New Balance Stadium kippte, ehe Sandro Tonali mit dem ersten Treffer und anschließend die Vorlage zum 2:1 an Moise Kean die Reise rettete. Der Newcastle-Sechser, frisch zurück von seiner Wett-Sperre, soll nun die Ruhe verbreiten, die Gattuso einmal mit Schienbein und Biss verkörperte. Die Statistik gibt ihm recht: Fünf Pflichtspiele gegen Bosnien, kein einziger Verlust, nur ein Remis, stets ein Tor erzielt.

Ein tor schießt die angst nicht weg
Die Serie von acht Treffern in Folge wirkt beruhigend, doch die Wahrheit sitzt tiefer: Seit dem 0:1 in Oslo vor 14 Monaten hat Italien jedes Spiel nur noch auf Biegen und Brechen gewonnen. Die Defensive um Bastoni und Buongiorno wackelt bei Standards, die Flügel laufen zu spät zurück. Zenica ist kein Theater, sondern ein Presslufthammer. Die Tribüne steht auf, sobald die erste Ballkette rollt. Und Bosnien spielt nicht, Bosnien beißt.
Die Azzurri haben sich selbst in diese Lage manövriert, weil sie in der Gruppenphase zu viele Punkte gegen die „Kleinen“ abgaben. Jetzt zahlen sie Zinsen. Der Gewinner trifft im März auf den Sieger der Partie Ukraine-Marokko, doch vorher muss das Kopf-Kino überstanden werden. Kein Löw, der die Mannschaft tröstet, kein Mancini, der mit Zigarre Selbstvertrauen verbreitet. Luciano Spalletti schläft mit Spielanalyse-Videos ein, weiß, dass ein einziger Fehlpass die Saison beenden kann.
Wenn Dzeko in der 60. Minute einläuft, wird das Stadion erbeben. Wenn Chiesa dann aber einen Konter startet, könnte sich das Blitzlicht in die andere Richtung drehen. Alles steht auf Messers Schneide – und die Klinge heißt Zenica.
