Italien knackt nordirland und träumt vom wm-comeback

Endlich wieder eine Endrunde! Mit einem 2:0 gegen Nordirland hat Italien das Playoff-Halbfinale geknackt und darf nach zwölf Jahren von der WM träumen. Sandro Tonali schoss die Squadra Azzurra in der 56. Minute auf Kurs, Moise Kean stellte in der 80. Minute den Schlusspunkt. Das Tor zitterte, das Stadtohr brummte – und Gennaro Gattuso atmete erstmals seit Wochen durch.

Das spiel in einzelheiten

Die ersten 45 Minuten waren ein Ringen gegen die eigene Nervosität. Nordirland stand tief, Italien spielte sich fest. Erst nach dem Seitenwechsel riss Gattuso sein Team wach. Tonali erkannte die Lücke, zog aus 18 Metern ab und traf flach ins rechte Eck. Die Ketten fielen, das Tempo stieg. Kean nutzte eine zweite Welle, legte sich den Ball im Strafraum zurecht und schob cool ein. Die 70 000 im San Sio schrien sich heiser – das war mehr als ein Tor, es war ein Befreiungsschlag.

Die Statistik spricht Bände: zum ersten Mal seit 2014 hält Italien wieder eine reale WM-Chance in der Hand. Drei verpasste Turniere in Folge – ein Horror, den selbst vier Sterne auf der Brust nicht kaschieren konnten. Jetzt steht ein einziges Spiel gegen Wales oder Bosnien-Herzegowina zwischen dem Land und Katar 2027. Die Auslosung wird am Montag in Zürich vorgenommen, das Rückspiel folgt Anfang November. Wer dort gewinnt, fliegt. Punkt.

Was das finale bedeutet

Was das finale bedeutet

Ein italienisches WM-Finale ohne Italien war schon fast zur Normalität geworden. Sponsoren drückten die Daumen, Fernsehbosse rechneten mit Einbußen. Kein Wunder, dass Rai Sport nach dem Abpfiff sofort eine Sonderfolge anschob – die Einschaltquoten schnellten auf 52 Prozent nach oben. Die Wirtschaft wartet auf das Megaphon Sport, die Fans warten auf die Anthems. Und die Spieler? Sie warten auf ein Land, das endlich wieder in Schwarz-Blau-Fahne erstrahlt.

Die Mission ist halb erfüllt. Gattuso warnte sofort: „Nordirland war die kleinere Hürde, jetzt kommt die große.“ Die Mannschaft flog noch in der Nacht zurück nach Coverciano, das Trainingslager startet am Dienstag. Wer dort aufläuft, bestimmt die Formkurve. Ein Detail: Kean feierte nicht nur sein Tor, sondern auch die vierte gelbe Sperre – er fehlt im Rückspiel. Ein Risiko, das Gattuso einkalkuliert. Dafür kehrt Leonardo Bonucci zurück, nachdem er gegen Nordirland noch gesperrt war. Die Defensive wird kompakter, die Chancen steigen.

Die Uhr tickt. In 210 Tagen rollt in Katar der erste Ball. Italien hat sich einen Platz im Rennen erkämpft – mehr nicht, aber auch nicht weniger. Für die Fans ist das schon jetzt ein Sieg über die eigenen Zweifel. Die WM-Arena ist noch weit weg, doch die Träume sind längst gestartet. Und Träume, das weiß jeder, der einmal in der Curva Nord stand, sind das beste Trainingslager der Welt.