Italia vor dem entscheidenden feuer: pjanic warnt vor dem höllen-trip nach zenica

Ein einziger Tag trennt Italien vom Ende eines 12-jährigen Exils – und von einer Nacht, die laut Miralem Pjanic „kein Fußballspiel, sondern ein Krieg“ wird. Am Dienstag betritt die Squadra Azzurra das Bilino-Polje-Stadion in Zenica, wo drei Millionen bosnische Stimmen sich in einen einzigen Brüllball verwandeln. Pjanic, einst Mittelfeld-Dirigent in Turin und Rom, kündigt den Italienern ein 90-Minuten-Trip durch die Hölle an.

Pjanic zieht die kampflinie: „für sie wird es unangenehm“

„Ich habe die Jungs gesehen – sie brennen“, sagt der 34-Jährige der Gazzetta dello Sport. „Sie glauben an sich, sie wollen Geschichte schreiben. Und sie wissen: Zenica ist kein Ort für schwiche Nerven.“ Die Statistik bestätigt seine Drohung: Bosnien wartet seit 2014 auf eine WM, Italien seit 2014 auf eine Teilnahme. Beide Nationen haben nur diese eine Chance – und Pjanic wirft der Figc vor, das Ausmaß des Drucks unterschätzt zu haben. „Für Italien ist es inakzeptabel, drei Mal in Folge zu Hause zu bleiben. Diese Angst werden wir ihnen einpflanzen.“

Der ehemalige Barça-Regisseur spielt dabei mit offenen Karten. Er zitiert die 15.000 Kopf stehende Ultra-Blocke, die seit Tagen Choreos einstudieren, und er zitiert Edin Dzeko, der mit 40 Jahren noch immer der Torjäger mit dem Knall ist. „Edin braucht nur eine halbe Chance. Dann ist es 1:0 – und das Stadion kocht über.“

Die italienische antwort kommt mit kean und tonali

Die italienische antwort kommt mit kean und tonali

Möglicherweise schon in der Startelf: Moise Kean, der gegen Nordirland mit einem Doppelpack die Tür zur Endriss aufstieß, und Sandro Tonali, dessen Pressing die bosnische Spieleröffnung zerreißen soll. Trainer Luciano Spalletti hat intern die Marschroute festgelegt: frühes 3-5-2, sofortiges Umschalten, kein Rückwärts-Pass nach vorne. Die Italiener wissen, dass ein Auswärtstor Zenica leiser macht – und sie wissen auch, dass ihr letztes Gruppen-Desaster in Palermo 2017 begann, als ein einziger Fehlpass die Kette riss.

Zwischen beiden Lagern brodelt seit Tagen ein Nebenkriegsschauplatz. Pjanic kontert die Instagram-Story von Vicario und Dimarco, die den bosnischen Sieg gegen Wales mit einem „Grazie, Bosnia“-Video kommentiert hatten. „Ich verstehe nicht, warum man so etwas postet. Aber wir werden sie empfangen – mit offenen Armen und geschlossenen Toren.“

Spanien, brasilien – und der zenica-faktor

Spanien, brasilien – und der zenica-faktor

Abseits des Grolls liefert Pjanic sein WM-Tipp ab: „Spanien hat Pedri und Yamal – sie spielen über dem Niveau.“ Brasilien, Argentinien und Portugal nennt er als Verfolger. Doch zuerst muss seine Heimat die Sensation vollenden. „Wenn der Schiri pfeift, vergisst jeder die Tabelle. Dann zählt nur, wer den Schweißgeruch erträgt.“

Für Italien droht im Falle des Scheiterns das Trio der Blamage: 2018, 2022, 2026 – drei Weltmeisterschaften in Folge ohne Squadra Azzurra. Die Quote der Buchmacher spricht noch für Italien (Sieg 1,85), aber die Geschichtsbücher erinnern an Belfast 2017, an Palermo 2010, an Moskau 2018 – an all jene Tage, an denen der Favorit im Feuer versank.

21 Uhr, Dienstag, Bilino Polje. Drei Millionen Stimmen, elf italienische Seelen, ein Platz, der kein Platz ist – sondern ein Brennpunkt. Wenn der Schiri pfeift, beginnt für Italien nicht nur ein Spiel, sondern ein Akt der Rettung. Und für Bosnien eine Revanche, die länger währt als 90 Minuten.