Mads pedersen fliegt raus – flandrien verliert seinen könig kurz vor wevelgem
Mads Pedersen wird nicht starten. Kein Hattrick. Kein Auftritt in Middelkerke, keine Attacke nach Veurne, keine Zielankunft in Wevelgem. Der Däne, der hier 2023 und 2024 dem Regen die Leviten las, bleibt wegen einer Virusinfektion im Bett – und die 88. Auflage von In Flanders Fields verliert ihren Hauptdarsteller 24 Stunden vor dem Prolog.
Der körper sagt nein – und das team hört zu
Lidl-Trek bestätigte es am späten Samstagnachmittag via Instagram: „Dieser Frühling lief nicht so, wie wir es uns erhofft haben.“ Eine knappe Zeile, die den ganzen Frust der Saison trägt. Seit Valencia, wo Pedersen Schlüsselbein und Schulter brach, war jeder Wettkampf ein Kraftakt. Mailand-Sanremo war ein Statement – Platz vier, lauter Applaus, aber die Nebenhöhlen blieben entzündet. Freitag in Harelbeke nur Neunte, das Gesicht aschfahl. Jetzt die nächste Absage. Die Ärzte sprechen von „latenter Infektion“, was in der Flandrien-Sprache heißt: Kein Risiko, sonst droht Monatsende ohne Ardennen-Einsatz.
Der Rennkalender wartet nicht. Am Dienstag steht Dwars door Vlaanderen an, am Sonntag darauf Ronde van Vlaanderen. Pedersen will beide fahren, doch die Frage lautet: Mit welcher Lunge? Mit welcher Grunddrehzahl? Die Daten seiner letzten Rollentrainingseinheiten zeigen einen VO2-Peak um 12 % unter Soll – kein Wert, mit dem man gegen Mathieu van der Poel oder Wout van Aert in die Crosswind-Sektoren zieht.

Wevelgem ohne letztjahressieger – die siegerfrage ist offen
Die Organisatoren reagieren mit einer kleinen Notlösung: Startnummer eins bleibt frei, die Ehrenrunde am Strand von Middelkerke wird ohne Pedersen eingeleitet. Für die Buchmacher ist das Rennen jetzt ein offenes Feld. Van der Poel liegt bei 3,2-1, Van Aert bei 4,1-1 – dahinter platziert sich Jasper Philipsen mit 9-1, obwohl der finale Plugstreets eigentlich zu steil für einen Sprinter sind. Pedersens Ausfall zwingt Lidl-Trek zur Umplanung: Jasper Stuyven übernimmt die Kapitänsrolle, Ryan Christensen rückt nach, und in der Teambus-Kühltasche liegen zusätzliche Isotonik-Fläschchen gegen den drohenden Kalamitätstag.
Die Fans sind zwiegespalten. Auf den Kopfsteinpflaster-Abschnitten bei Moorslede wird ein Banner hochgehalten: „Mads, heal fast – but Flanders is never the same without you.“ Es klingt wie ein Liebesbrieftrennungsgesang, und vielleicht ist das der Moment, an dem Pedersen realisiert, dass ein dritter Sieg in Wevelgem nicht nur von Beinen, sondern auch von der konspiratorischen Laune des Frühlings abhängt.

Was bleibt, ist die arithmetik der saison
Pedersens Plan lautete: Hattrick in Wevelgem, Podest in Flandern, Krönung in Roubaix. Jetzt steht ein Fragezeichen hinter jedem Ziel. Die Statistik spricht gegen ihn – seit 2010 gewann kein Fahrer mehr Paris-Roubaix, wenn er zuvor eine Woche Pause einlegen musste. Die Logik der Pflaster-Helden verlangt Rhythmus, Schmerz, Durchpauken. Stattdessen kommt der 30-Jährige mit einem Satz Antibiotika und der Ahnung, dass seine Frühjahrssaison in 72 Stunden entschieden wird.
Am Montag geht es nach Deinze, zum Medizin-Check. Die Saison ist jung, doch im Kopf tickt bereits der Countdown Roubaix. Pedersen selbst schreibt: „Unsere Träume sind intakt.“ Träume reichen aber nicht, wenn van der Poel auf der Carrefour de l'Arbre das Kettenglied in den kleinen Zahn schiebt. In Flanders Fields beginnt morgen ein neues Kapitel – nur ohne seinen jüngsten Helden. Und vielleicht ist das der größte Beweis dafür, wie grausam der Frühling sein kann, wenn man sich ihm ein zweites Mal widersetzt.
