Empor rostock wirft den aufstieg hin und trennt sich von trainer jacobsen

Der HC Empor Rostock hat einen strategischen Schritt gewagt, der die Handball-Welt in Mecklenburg-Vorpommern aufhorchen lässt: Nach nur einer Saison endet die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Michael Jacobsen vorzeitig. Die Lizenz für die 2. Handball-Bundesliga wird nicht beantragt. Ein klares Statement – mit weitreichenden Konsequenzen.

Sieben Spieltage vor Schluss liegt Empor auf Platz sechs der 3. Liga Nordost. Ein Aufstieg wäre sportlich möglich gewesen. Doch statt aufzurücken, zieht der Verein die Reißleine. Die Begründung: wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strukturelle Herausforderungen. „Wir haben die Situation klar analysiert. Es ist der richtige Zeitpunkt, Kraft zu tanken, um anschließend wieder stabil wachsen zu können“, sagt Geschäftsführer Tristan Staat.

Jacobsen zieht die optionsklausel

Die Trennung von Jacobsen war kein Alleingang des Vereins. Nach Gesprächen auf Initiative des Trainers wurde gemeinsam beschlossen, die Vertragsoption zu ziehen. „Es gab unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung“, räumt der Däne ein. Jacobsen, der zuvor acht Jahre die Nachwuchsakademie der SG Flensburg-Handewitt leitete und 2023 mit den Rhein-Neckar Löwen Pokalsieger wurde, verlässt Rostock mit sofortiger Wirkung – aber nicht ohne Anerkennung: „Michael hat der Mannschaft eine klare Struktur gegeben und sie auf einen guten Weg geführt“, heißt es offiziell.

Die Entscheidung ist Teil eines größeren Umbaus. Neun Spieler des aktuellen Kaders bleiben, darunter Robert Wetzel, Leon Mehler und Elias Gansau. Der Fokus liegt nun auf regionalen Talenten und eigenem Nachwuchs. „Wir wollen eine Mannschaft entwickeln, die sich über Einsatz, Identifikation und Entwicklung definiert“, so Staat. Auch Spieler aus der Regionalliga-Mannschaft sollen integriert werden – trotz eines Punkteabzugs wegen eines Regelverstoßes.

Ein schritt zurück, um neu zu starten

Ein schritt zurück, um neu zu starten

Für viele Fans mag dieser Rückzieher wie ein Abrücken vom Erfolg wirken. Doch hinter den Kulissen zeichnet sich ein anderes Bild: ein Verein, der nicht länger mit halben Sachen arbeiten will. Die 2. Bundesliga-Lizenz hätte teure Auflagen mit sich gebracht – Personal, Reisen, Lizenzgebühren. Empor spart sich das Risiko und setzt auf Nachhaltigkeit. Ein mutiger Schritt in einer Zeit, in der viele Klubs sich sportlich übernehmen.

Jacobsen selbst bleibt gelassen: „Ich habe die Zeit in Rostock sehr geschätzt.“ Wohin seine Reise als nächstes geht, ist offen. Doch ein Name mit seiner Vita bleibt auf dem Markt begehrt. Für Empor beginnt nun eine Phase des Umbruchs – mit dem Ziel, nicht nur sportlich, sondern auch strukturell aufzurüsten. Die Saison läuft noch, aber der Blick ist längst auf die Zukunft gerichtet. Und die startet nicht in Liga zwei, sondern in der eigenen DNA.