Italia sucht neuen bundestrainer – und die bewerber flirten auf ihre art
Rompelnd wie John Travolta in „Grease“ starrt Antonio Conte die Nazionale an und zieht seinen Lederkragen hoch. „Nimm mich, ich bin dein Typ“, sagt er lautlos, aber jeder im Boot versteht die Geste. Die Selezione ist Single seit dem Rauswurf von Luciano Spalletti, und die Coaches haben sich in Marsch gesetzt.
Roberto Mancini spielt dagegen den Ex, der nie über die Trennung hinwegkam. Aus dem Emirat schickt er sepia-getränkte WhatsApp-Videos von Wembley 2021, untermalt von Antonello Venditti: „Certi amori non finiscono…“ Direkt redet er nicht mit ihr, aber seine Leute streuen in Mailand, er würde sofort wieder heiraten – wenn sie ihn zurückwill.

Max allegri versteckt sich hinter freunden
Im Juventus-Büro sitzt Massimiliano Allegri, Pulli über der Schulter, und tut so, als interessiere ihn das Ganze nicht. Stattdessen lässt er Zwischentöne laufen: „Habt ihr gehört, was Italia über mich sagt?“ Er erinnert an den schüchternen Streber, der nie auf die Klassenfete geht, aber heimlich den Schulhof absucht, ob sie vorbeikommt.
Dabei wäre da noch Pep Guardiola. Der Spanier muss gar nicht tanzen. Er steht einfach an der Bar, bestellt ein San Pellegrino und wartet, bis sich der Raum nach ihm umdreht. Die italienische Delegation konnte ihn vor zwei Wochen in Manchester treffen; er hörte zu, lächelte, sagte nichts. Für viele FIGC-Delegierte war das Schweigen lauter als jede Pressekonferenz.
Die Zeit drängt. Die Nations-League startet in drei Monaten, die EM-Quali rückt näher. Präsident Gabriele Gravina will bis Mitte Mai Klarheit, sonst verpasst Italiano den Sommer-Trainingslager-Zyklus. Die internen Zahlen: 3,2 Mio Euro Jahresgehalt plus Boni stehen im Topf – für einen Coach, der auch die U-23 integrieren soll.
Während die Großen posieren, weint Rino Gattuso in einem Nebenraum. Er war der Ehemann, der alles gab, sich die Seele aus dem Leib rannte, aber nie als Glamour-Typ durchstartete. „Ich habe ihr mein Herz geschenkt, doch sie will jetzt einen Filmstar“, sagt er laut Vertrauten. Symbolbild: Calabresischer Kämpfer, der die Tränen wegwischt und trotzdem weitermacht.
Die Entscheidung fällt in einer außerordentlichen FIGC-Sitzung am 20. April. Wer sich bis dahin nicht klar positioniert hat, fliegt raus aus der Liste. Conte liefert heute ein TV-Interview, Mancini schickt einen offenen Brief, Allegri schweigt weiter. Guardiola? Er lässt einfach ein weiteres San-Pellegrino-Glas nachfüllen – und lächelt.
Italia wird sich nicht von Wembley-Erinnerungen oder Filmzitaten blenden lassen. Sie braucht einen Coach, der Spallettis Chaos in eine klare Taktik verwandelt. Ob das ein Danny Zuko, ein Top-Gun-Pilot oder ein zurückhaltender Taktgeber wird, entscheidet sich bald. Wer zögert, verliert – und die Nation wartet bereits auf den neuen Tanzpartner.
