Italia steht vor dem aus: gattusos truppe muss zweimal gewinnen, sonst gibt es kein wm-ticket
Rom flüstert, Mailand schweigt, Neapel zittert. In zwei Spielen entscheidet sich, ob die Squadra Azzurra beim Turnier 2026 dabei ist – oder zum dritten Mal in Folge zu Hause bleibt. Gattuso hat keine Fehler-Puffer mehr.
Die rechnung ist brutal: zwei finals, ein fehler, alles aus
Erst Irland, dann Wales oder Bosnien. Beide Partien sind Einzelspiele, beide finden in Turin statt, beide enden bei einer Niederlage mit dem Abflug. Die Erinnerung an Schweden 2017 und Nordmazedonien 2022 sitzt tief. Italiens Spieler betreten das Trainingszentrum von Coverciano mit Kopfhörern – nicht zur Musik, sondern als Schutz gegen die Fragen der Reporter, die nach dem Trauma fragen.
Die Zahlen sind hart: seit 1958 hat Italien nie drei Weltmeisterschaften in Folge verpasst. Der Druck kommt nicht nur von den Fans, sondern von den Sponsoren. Puma und Enel haben Klauseln im Vertrag, die bei einem erneuten Ausfall Millionen kosten. Gattuso, sonst ein Mann der klaren Worte, schwieg nach dem letzten Länderspiel sieben Minuten lang, bevor er sagte: „Wir haben den Luxus, nicht mehr über Luxus zu reden.“

Irland du nord will das britische standardprogramm: standards
O’Neill kann nicht auf Davis und Saville zurückgreifen, dafür aber auf McNair, dessen Einwurf so schnell ist, dass die FIFA ihn in England messen ließ. Bei jedem Freistoß innerhalb von 35 Metern stellen sich drei Mann an den Ball, die sonst nie zusammenstehen. Der Plan: früh träumen, spät wachsen. Die letzten drei Länderspiele der Nordiren endeten 1:0 – alle durch Eckbälle.
Italiens Antwort heißt Scamacca. Der Stürmer traf in den letzten fünf Quali-Spielen viermal, aber nur, wenn er vor dem Strafraum den Ball annahm. Gattuso ließ ihn deshalb in den letzten beiden Trainingseinheiten 45 Minuten lang Übungsschläge aus 18 Metern machen – mit dem schwächeren Fuß. Die Statistik lügt nicht: In den letzten 17 Pflichtspielen schoss Italien nur einmal in der ersten Halbzeit mit links.

Die letzte karte: ein 3-4-1-2, das nie zuvor lief
Der Trainer testete eine Aufstellung, in der Frattesi als „freier Achter“ zwischen den Linien operiert und Barella als rechtsverteidigender Halbraumspieler. Die Idee: Überzahl im Zentrum und sofortige Gegenpresse nach Ballverlust. Die Risiken: zwei Mann im Zentrum stehen immer in der Breite, eine Flanke reicht. Gattuso sagte den Betreuern, er wolle „das Spiel so schnell machen, dass die Erinnerung nicht mehr hinterherkommt“.
Am Montag um 20:45 Uhr Ortszeit fällt der Anpfiff. Die Buchmacher sehen Italien bei 1,25, doch die Quote auf ein frühes Gegentor steht nur bei 3,10 – das sagt mehr über die Angst als über die Stärke. In den Wettbüros von Turin wird mehr auf ein 0:1 zur Pause gewettet als auf jeden anderen Zwischenstand. Die Leute wissen, wie schnell ein Albtraum wiederholbar ist.
Wenn die Siebeneinhalb-Minuten-Nachspielzeit läuft, wird kein Spieler mehr nach Schema F spielen. Dann zählt nur noch, wer die Erbse im Hals runterbekommt und wer nicht. Gattuso hat den Mannschaftsarzt angewiesen, jedem Profi vor dem Spiel eine Tüte Eiswürfel in die Kabine zu stellen – nicht gegen Schmerzen, sondern gegen das Brennen in der Kehle, das kommt, wenn das Stadion vor Nervosität kocht.
Am Ende steht eine einfache Wahrheit: Entweder Italia fliegt im März nach North America, oder der italienische Fußball fliegt wieder in die Realität der zweiten Garnitur. Die FIFA hat schon angefragt, ob man für den Fall des Ausscheidens das Cover des offiziellen Videospiels austauschen muss. Die Antwort kommt in 180 Minuten. Alles andere ist PR.
