Istaf indoor: rekordlawine in berlin – schilder fliegt mit 20,69 m über alles hinweg

12.000 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof, ein Knall wie aus der Kanone: Jessica Schilder schleudert die Kugel auf 20,69 Meter und sprengt beim 13. Istaf Indoor gleich zwei Marken – Meetingrekord und Weltjahresbestweite. Die Niederländerin lässt Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye mit 19,08 m stehen, die Deutsche verzieht keine Miene, aber die Zahl auf der Anzeigetafel sagt alles.

Die stunde der außenseiter

Ohne Armand Duplantis wirkt der Stabhochsprung wie ein Konzert ohne Solist. Dennoch: Ernest Obiena springt 5,78 m und klaut die Show. Der Philippino setzt sich gegen Simen Guttormsen durch – gleiche Höhe, weniger Fehlversuche. Bo Kanda Lita Baehre teilt sich mit 5,70 m Rang drei, aber die Berliner wollten eigentlich den Weltrekordler sehen, nicht ein Rätselraten um den glücklichen Tagessieger.

Im Weitsprung der Frauen liefert Malaika Mihambo eine Lehrstunde im Saisonmanagement. 6,57 m reichen nur zu Platz zwei, weil Paulina Hondema dieselbe Weite zweimal hinlegt und nach Countback gewinnt. Mihambo zuckt mit den Schultern – ihre WM-Plane startet im Sommer, nicht in der Halle. Die Entscheidung ist längst gefallen: keine Hallen-WM, dafür volle Pulle draußen.

Sprint-blitz gegen erwartungen

Sprint-blitz gegen erwartungen

Jeremiah Azu rennt 6,47 s über 60 m – persönliche Bestzeit, Meetingrekord, Jubel mit britischem Akzent. „Meine Familie ist extra aus Wales angeflogen“, brüllt er ins Mikro. Dahinter fragt sich Heiko Gussmann, wie er als Vorjahressieger nur Vierter wird. Die Antwort: 6,60 s reichen heute nicht, weil Azu die Hallendecke zu durchbrechen scheint.

Bei den Frauen holt Sade McCreath mit 7,12 s den Sieg, obwohl Philina Schwartz im Vorlauf noch alle geärgert hatte. Die 19-jährige Berlinerin bricht im Finale die Hüfte durch – ein Zentimeter Rückstand reicht, um die Kurve nicht mehr zu kriegen. Die Kanadierin jubelt, das Publikum trotzdem happy: Endlich wieder ein Sprint-Duell, das nicht vorher auf dem Papier entschieden ist.

Hürden-krimi mit 0,01 sekunden differenz

Hürden-krimi mit 0,01 sekunden differenz

Nadine Visser trifft die Latte in der Mitte der Serie, aber sie trifft auch die Ziellinie zuerst: 7,81 s – Ditaji Kambundji 7,82 s. Foto-Finish, Entscheidung, Schweizerin enttäuscht, Niederländerin erleichtert. Bei den Männern schraubt Jakub Szymanski den Meetingrekord auf 7,37 s, die alte Marke aus dem Vorjahr ist Geschichte. Die Halle tobt, weil endlich wieder ein Deutscher ganz oben steht – zumindest in der Statistik.

Am Ende zählt eine Zahl: 12.000 Zuschauer, ausverkauft, trotz Preisen jenseits der 80 Euro. Die Leichtathletik beweist: Selbst ohne Superstar Duplantis kann sie glühen, wenn die Bühne stimmt. Und Jessica Schilder fasst es zusammen, während sie die Kugel unters Hemd zieht: „Ganz nett.“ Mehr muss man nicht sagen, wenn die Weite für sich spricht.