Iranische fußballhoffnungen: turbulente weltreise vor dem wm-start

Los Angeles – Die iranische Nationalmannschaft hat in Kalifornien ihre Unterkunft bezogen, doch die Anreise war alles andere als ein Routineverfahren. Zwischen Tijuana und Manhattan Beach, begleitet von erwartungsvollen Protesten irano-amerikanischer Exilanten, bahnt sich der WM-Traum für Teheran trotz zahlreicher Rückschläge langsam seinen Weg.

Ghalenoeis appell: fußball als brücke zwischen kulturen

Teamchef Amir Ghalenoei nutzte die Pressekonferenz, um eine Botschaft der Hoffnung zu senden. „Ich bin stolz darauf, meine Nation zu vertreten“, erklärte er. „Ich hoffe, dass der Fußball Freude und Verbundenheit stiften kann und Kulturen und Nationen näherbringt. Wir wollen uns auf das Spiel konzentrieren und zeigen, was wir können – trotz der Reiseunannehmlichkeiten.“

Doch die Realität ist komplexer. Die Visaprobleme für rund zwanzig akkreditierte Journalisten, die aus dem Iran reisen wollten, sorgten für zusätzliche Verwerfungen. Die ursprüngliche Planung sah einen Aufenthalt in den USA vor, bevor die Mannschaft nach Mexiko verlegt wurde. „Wir sind es gewohnt, Schwierigkeiten in Chancen zu verwandeln“, betonte Ghalenoei, während er seine Dankbarkeit gegenüber dem mexikanischen Volk ausdrückte.

Ein weiterer Diskussionspunkt war der Ausfall von Sardar Azmoun, dem talentiertesten Spieler des Kaders. Ghalenoei verteidigte seine Entscheidung, indem er auf die Dynamik im Profifußball hinwies: „Auch ein Spieler wie Neymar wurde schon länger von seiner Nationalmannschaft ausgeschlossen. Das ist Teil des Spiels.“

Taremis deutliche worte: „die atmosphäre ist vergiftet“

Taremis deutliche worte: „die atmosphäre ist vergiftet“

Während Ghalenoei versuchte, die Situation zu beschwichtigen, zeigte sich Kapitän Mehdi Taremi deutlich pessimistischer. „Es betrifft nicht nur den Iran. Auch andere, inklusive der Schiedsrichter, haben unter diesen Problemen gelitten“, so der ehemalige Inter-Spieler. „Ich habe eine angespannte Atmosphäre gespürt, seit ich hier angekommen bin. Diese WM fühlt sich anders an als frühere.“

Taremi prangerte die fehlende Begeisterung im Vorfeld des Turniers an: „Die Freude und die Botschaft von Frieden, die die FIFA und unser Volk vermitteln wollen, werden durch diese Spannung untergraben. Das habe ich gespürt.“ Er wünschte sich eine bessere Atmosphäre für alle Fans, unabhängig von ihren Unterstützungs-Mannschaften. Mindestens 35.000 iranische Fans, viele von ihnen mit der verbotenen Nationalflagge, werden sich laut Schätzungen rund um das SoFi Stadium versammeln, um ihren Unmut zu demonstrieren. Los Angeles ist ein Zentrum der iranischen Diaspora, und nicht alle werden die Regierung unterstützen.

Die iranische Mannschaft steht somit vor einer außergewöhnlichen Herausforderung: Sie muss nicht nur auf dem Spielfeld bestehen, sondern auch mit den politischen und gesellschaftlichen Spannungen umgehen, die diese WM begleiten. Eine Aufgabe, für die es mehr als nur Fußballtalent erfordert.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die iranische Nationalmannschaft trotz aller Widrigkeiten ihre Chance nutzen und die Welt mit ihrem Spiel begeistern kann. Der Fokus liegt auf dem Spielfeld, aber die Schatten der politischen Realität sind nicht zu ignorieren.