Iranische fußballerinnen in australien: pahlavis appell lässt canberra zittern
Sie standen stumm, während die Staatshymne dröhnte – und machten damit weltweit mehr Lärm als jede Megafon-Anlage. Die iranischen Fußballerinnen schwiegen sich während der Asien-Cup-Partie gegen Südkorea aus, um gegen das Mullah-Regime zu protestieren. Jetzt, nach dem Vorrundenaus, steht ihre Rückkehr ins Land der Ayatollahs auf dem Spiel – und die Rettungsrufe werden lauter.
Reza Pahlavi, der Exil-Sohn des letzten Schahs, forderte Australiens Premierminister Anthony Albanese auf, die 23 Spielerinnen „sofort“ vor drohender Verfolgung zu schützen. „Sie leben unter ständiger Bedrohung durch die Islamische Republik“, sagte Pahlavi dem Sender ABC Australia. Canberra schweigt bislang – und spielt damit Pokern mit Menschenleben.
Staatsfernsehen diffamiert spielerinnen als „kriegsverräterinnen“
Die Propaganda-Maschine in Teheran lief bereits heiß. Kurz nach dem 0:3 gegen Südkorea titelte der IRIB-Kanal: „Verräterinnen, die sich weigern, die heilige Hymne zu ehren.“ Die Folge: Hass-Posts, Drohanrufe, Ankündigungen von Auftragsverhaftungen. Beim folgenden 0:4 gegen Australien sangen die Frauen plötzlich mit – und salutiieren stramm. Menschenrechtler sprechen von erzwungener Demo-Disziplin.
Am Rande des letzten Gruppenspiels gegen die Philippinen (0:2) versammelten sich rund 600 Demonstranten. Transparente mit „Let them go“ und „Regime change now“ flatterten vor dem Stadion. Die australische Polizei muszte eine Zufahrt sperren, weil pro-iranische Gegenprotestler anrückten. Die Stimmung eskalierte – doch die Spielerinnen selbst durften das Spielfeld nur unter Bewachung verlassen.

Amnesty warnt vor folter bei rückkehr
Amnesty International legte der australischen Regierung ein vertrauliches Dossier vor. Darin: 17 Seiten mit Namen, Gesichtern, Droh-Profilen. „Sollten sie nach Iran zurückkehren, droht ihnen willkürliche Haft, Folter, sogar Todesstrafe“, sagte die Iran-Expertin Nina Skoeries. Auch J.K. Rowling schaltete sich ein: Ihre Twitter-Appell „Protect the Iranian team“ wurde binnen zwölf Stunden 1,7 Millionen Mal geteilt.
Canberra duckt sich. Ein Sprecher des Innenministeriums ließ mitteilen, man prüfe „jeden Einzelfall nach geltendem Recht“. Keine Zusage, kein Zeitplan. Die Spielerinnen harren in einem abgeriegelten Hotel in Sydney aus – Training findet auf einem kamerabewehrten Campus statt. Die australische Fussball-Föderation spendierte 24-Stunden-Psychologen, doch die Angst bleibt.
Die Tatsache: 23 junge Frauen trugen das iranische Trikot – und riskieren dafür ihr Leben. Die Frage, die Canberra beantworten muss, lautet nicht, ob sie Schutz brauchen, sondern wie lange man noch wartet, bis die nächste Drohung Realität wird.
