Motherwell: fadinger spielt hearts die meisterschaft aus?

Die schottische Premiership steht Kopf – und Lukas Fadinger, der zentrale Mittelfeldspieler von Motherwell, ist das Zünglein an der Waage. Der Burgenländer könnte mit seinem Team nicht nur den angestrebten vierten Platz für die Europa-League Qualifikation sichern, sondern auch den Meisterschaftsfavoriten Heart of Midlothian gehörig das Leben schwer machen. Ein dramatisches Finale der Saison zeichnet sich ab.

Von altachs abstellgleis zum gefeierten dreh- und angelpunkt

Nur vor einem Jahr schien Lukas Fadinger am Tiefpunkt seiner Karriere zu stehen. Bei Altach ohne Perspektive, ohne klare Gründe – und nun das: Ein Schlüsselspieler bei einem Team, das Celtic und die Rangers das Fürchten lehrt. “Wenn man bedenkt, wo ich vor einem Jahr war… Ich bin unheimlich dankbar für diese Chance”, so Fadinger im Gespräch mit dem kicker. Seine Dankbarkeit ist verständlich, denn er ist einer der Gründe für die überraschend starke Saison von Motherwell.

Motherwell spielt eine außergewöhnliche Saison. Das Team hat nicht nur den vierten Platz fest im Blick, sondern hat auch die beiden Glasgow-Giganten, Celtic und die Rangers, mehrfach überrascht und Punkte geholt. Der Sieg im Ibrox Stadium gegen die Rangers mit 3:2 war dabei ein echtes Ausrufezeichen und warf den Titelverteidiger in eine Krise. Fadinger selbst steuerte den zweiten Treffer bei, einen präzisen Abschluss nach einem sehenswerten Angriff vor über 50.000 Zuschauern.

“Es war brutal schön, aber auch unfassbar hart”, beschreibt Fadinger das Gefühl nach dem Sieg. Die Fans von Motherwell sind ausflippend – sie sehen in ihrem Team den schönsten Fußball, den sie je erlebt hätten. Der dänische Trainer Jens Berthel Askou setzt auf ein flexibles 4-4-2 gegen den Ball und ein flaches 4-2-2-2 mit Ballbesitz, wobei Fadinger als eine Art Anker im defensiven Mittelfeld agiert.

Dass die schottische Premiership körperlich anspruchsvoller ist als die Bundesliga, bestreitet Fadinger vehement: “Das wird oft behauptet, aber man muss schauen, wer wie spielt. In Altach und in der Bundesliga wird mehr Wert auf den zweiten Ball gelegt als hier.” Stattdessen wird in Schottland mehr Fußball gespielt, eine Entwicklung, die auch seinem ehemaligen Teamkollegen Elijah Just zugutekommt.

Just im visier von celtic und rangers – fadinger schwärmt

Just im visier von celtic und rangers – fadinger schwärmt

Elijah Just, vom Motherwell-Team zum “Spieler der Saison” gewählt, steht hoch im Kurs bei Celtic und den Rangers. Fadinger erinnert sich lachend an die ersten Eindrücke: “Am Anfang haben wir uns gedacht, was denn das für ein dünner Stecken ist, aber er geht halt mächtig ab am Flügel bei eins gegen eins und sammelt ständig Scorerpunkte.” Die nächsten Spiele werden zeigen, ob Just und Fadinger ihrer Form treu bleiben können. Am Samstag empfängt Motherwell den Tabellenführer Heart of Midlothian, am Mittwoch folgt das Duell mit Celtic.

Die Begegnung mit seinem ehemaligen Hartberger Teamkollegen Michael Steinwender, Innenverteidiger bei den Hearts, wird für Fadinger besonders: “Wir tauschen uns gelegentlich aus. Großer Respekt vor seinen Leistungen und den Hearts.” Doch am Ende zählt nur der Sieg – und ob Fadinger und Motherwell den Hearts die Meisterschaft tatsächlich verpassen können. Die Spannung ist kaum auszuhalten.

Die Steelmen sind gerne das Zünglein an der Waage – und sie scheinen diese Rolle zu genießen. Mit einem weiteren Sieg gegen die Hearts und Celtic könnte Motherwell nicht nur die Conference-League-Qualifikation sichern, sondern auch die Titelentscheidung maßgeblich beeinflussen. Ein dramatisches Saisonfinale in Schottland ist garantiert.