Ex-world-finalisten basteln aus los ratones-trümmern witchcraft und wollen den esports-weltcup
Kein Trennungsdrama, keine Tränen-PR: Los Ratones ist tot, Witchcraft lebt – und mit ihr die nächste Goldgrube. Innerhalb von 48 Stunden verwandelte sich die Lieblings-Crew von Streamer Marc „Caedrel“ Lamont aus einer aufgelösten Spaßtruppe in ein Start-up mit klarem Ziel: Ticket für den Esports World Cup und den nächsten Millionencheck.
Die Rechnung ist simpel. Die NLC-Meisterschaft bringt zwar Prestige, aber nur ein Bruchteil der Dotation der saudischen Großveranstaltung. Wer dort startet, kassiert mindestens 100.000 Dollar nur fürs Erscheinen – egal wie das Turnier endet. Für vier der fünf ehemaligen Ratten also ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten.
Warum bwipo jetzt den boss spielt
Simon „Baus“ Hofverberg verabschiedete sich freiwillig. „Ich bin kein Vollzeit-Spieler mehr“, twitterte er knapp. Die Lücke füllt Gabriel „Bwipo“ Rau, der Belgier mit dem Weltmeister-Ring von 2018 und einem Faible für wilde Metas. Er bringt genau das mit, was Caedrels Recken bisher fehlte: Erfahrung gegen LEC-Teams und ein psychologisches Druckventil, das selbst Caps zweimal ins Straucheln brachte.
Für Rekkles bedeutet das Comeback die Chance, endlich wieder international wahrgenommen zu werden. Nach dem Aus bei Fnatic und dem misslungenen ADC-Wechsel bei KC schwirrt sein Name nur noch durch Gerüchteküchen. Ein World-Cup-Auftritt würde sein Brand – und seinen Marktwert – über Nacht catapultieren.

Der geheime deal hinter dem nlc-slot
Los Ratones löste sich offiziell auf, doch der Slot blieb in der Familie. Caedrels Managementgesellschaft Gravitas kaufte die Lizenz für 120.000 Euro von sich selbst – ein legaler, aber kaum kommentierter Schachzug. Witchcraft startet damit als vierter Seed in die EMEA Masters, muss also kein Qualifikations-Bo5 fürchten und spart wertvolle Scrims. Die Konkurrenz schäumt: „Wir müssen uns in offene Qualis quälen, die machen einfach weiter“, beschwert sich ein LEC-Manager anonym.
Der Zeitplan ist gnadenlos. Am 12. März beginnt die Gruppenphase der EMEA Masters, nur zehn Tage später fällt die Entscheidung, welche beiden Regional-Vertreter nach Riad reisen. Witchcraft muss mindestens Halbfinale, besser Finale spielen, um die nötigen Punkte für den World Cup zu sammeln. Kein Platz wäre ein Desaster – und das ausgerechnet für Rekkles, der 2018 mit Fnatic schon einmal vor den Toren der saudischen Hauptstadt scheiterte.
Die Fans feiern den Neustart, doch die Szene ist gespalten. Manche sehen einen cleveren Business-Move, andere einen Precedenzfall, der kleine Organisationen endgültig verdrängt. Tatsache bleibt: Wer jetzt nicht mitzieht, bleibt auf der Strecke. Und Witchcraft hat bereits angekündigt, im Sommer einen sechsten Mann zu verpflichten – vermutlich einen Koreaner, der die Solo-Queue-Top-10 beherrscht.
Die Message ist klar: Der Spaß ist vorbei, der Countdown läuft. In knapp zwei Wochen entscheidet sich, ob Witchcraft Geschichte schreibt oder als ebenso schnell verschwindet wie Los Ratones. Die Quoten sprechen für sie – und Rekkles kennt das Gefühl, wenn eine ganze Region hinter einem steht. Diesmal will er nicht nur die Trophäe, sondern auch das Preisgeld mitnehmen. Riad ruft, die Uhr tickt. Es wird heiß.
