Silber-miezen feiern kult-heimspiel: filter tanzt mit brille, gaugisch schwärmt von kindern
Katharina Filter trägt noch die silberne WM-Medaille im Gepäck, doch auf dem Parkett sieht man nur die „schnelle Brille“ – und wie sich die Torhüterin zu „Baila Baila“ dreht. 33:18 gegen Slowenien, Ticket für die EM gebucht, aber das Ergebnis war nur die Einladung zur Party.
Lorenz büffel stürmt die halle – und niemand sah ihn kommen
Die Kabinentür klappt auf, da steht er schon: Wikingerhut, Glitzerjacke, Mikro. Lorenz Büffel, Schlagersänger, 1,80 m überraschungsgast. Nieke Kühne rast mit dem Hut über den Kopf quer durch die Hälfte, Filter lacht sich schwindelig, selbst Bundestrainer Markus Gaugisch wirbelt in der Mitte des Kreises. 3.791 Zuschauer in der Halle, vor zwei Jahren waren es 1.000. Die Zahlen sind keine Statistik, sie sind die Antwort auf die Frage, warum Frauenhandball plötzlich wieder relevant ist.
Die Gegnerin hieß Slowenien, aber das interessierte nach dem 18:8 zur Pause keine Sau. Es ging ums Gefühl, dass Silber vom letzten Jahr noch einmal durch den Körper rauscht. „Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen“, sagt Filter, obwohl die WM schon drei Monate zurückliegt. Die Emotionen liegen offen herum wie die Autogrammkarten, die danach verteilt werden.

Antje döll bringt die 19. minute zum schweigen
Kurzer Rückblick, ein paar Worte von Führungsspielerin Antje Döll, dann geht’s weiter mit dem eigentlichen Programm. Handball wird nebensache, dafür steigt Büffels Hit, und die Arena wird zur Disko. Die Fans stimmen ein, das Team tanzt, niemand fragt mehr nach taktischen Feinheiten. Die DHB-Frauen nehmen sich eine Stunde Zeit für Selfies, Bälle fliegen signiert in die Reihen, Kinder jubeln sich heiser. „Dafür machen wir es“, sagt Filter, und man glaubt ihr jedes Wort, weil ihre Stimme knackt vor lauter Shouting.
Markus Gaugisch steht am Rand, schaut auf das bunte Treiben und redet weiter, als hätte er das Spiel noch nicht beendet: „Vor allem, wenn ich sehe, wie viele Kinder heute da sind. Das ist brutal. Total geil.“ Er wiederholt das Wort „geil“ drei Mal, als müsste er es sich selbst einprägen, dass Frauenhandball endlich wieder sexy ist.
Die EM im Dezember rückt näher, doch diese Nacht zählt erst einmal nur die Erkenntnis: Silber ist keine Farbe, es ist ein Magnet. 3.791 Menschen kleben daran, zehnmal so viele wie vor 24 Monaten. Die Kurve zeigt nach oben, und die Spielerinnen tanzen drauf. Keine Frage offen, nur noch Musik, bis der Hallenmeister die Lichter anknipst und sagt: Feierabend. Die Handballerinnen verlassen die Halle, die Medaille klirrt leise. Die Party ist vorbei, der Hype fängt gerade erst an.
