Iran spielt trotz krieg – der weltcup wird zur politik-arena
Krieg im Nahen Osten, Drohungen aus Washington – und trotzdem wird Iran am 11. Juni in Los Angeles auflaufen. Der AFC erklärt das Turnier gestern in Kuala Lumpur schlicht zur «nicht verhandelbar».

Die usa schicken widersprüche, teheran schweigt
Windsor John, Generalsekretär des asiatischen Verbandes, sagt es so knapp wie möglich: «Nach unserem Kenntnisstand wird Iran spielen.» Kein «wahrscheinlich», kein «vielleicht». Eine Ansage, die Donald Trumps Verlautbarungen auf Truth Social überlagert. Dort schrieb der US-Präsident, es sei «nicht angemessen», die Iraner einzuladen, dann wieder, sie seien «willkommen». Diplomatischer Pingpong, 48 Stunden vor der Auslosung.
Die Zeit drängt. Die Gruppenphase ist in 86 Tagen, Irans Auftaktgegner steht im SoFi-Stadium von L.A. bereit. Dreimal muss das Team von Trainer Amir Ghalenoei ran – in Seattle und Los Angeles, zwei Metropolen mit großen iranisch-amerikanischen Gemeinden. Sicherheitsbehörden bereiten sich auf Proteste und Gegenproteste vor, die Polizei von Seattle hat schon ein Sonderkontingent angefordert.
Der Konflikt eskalierte Ende Februar, als US-israelische Luftschläge iranische Militäreinrichtungen trafen. Teheran antwortete mit Raketen auf israelische Stützpunkte. Seitdem liegt der Region eine halbe Million Soldner in Bereitschaft. Irans Sportminister Ahmad Donyamali sagte der Staatsagentur IRNA, eine WM-Teilnahme sei «nicht die Priorität» – ein Satz, der in Europa sofort als Rückzug interpretiert wurde. Gestern schwieg das Ministerium zu Anfragen. Stattdessen lief das Nationalteam sein Trainingslager in Kish Island weiter hoch.
FIFA-Kreise verweisen auf Statuten: Ausschlüsse wegen außenpolitischer Krisen gibt es nur per Exekutiventscheid, nie per Alleingang eines Gastgebers. Die letzte Präzedenz datiert auf 1992, als Jugoslawien wegen UN-Sanktionen gesperrt wurde – damals lag ein VN-Sicherheitsratsbeschluss vor. Heute ist keiner da. Und so bleibt der Plan: Gruppe B, Stadionfüllung, TV-Geld. Der Vertrag mit Rechte-Inhaber Fox Sports ist für 425 Millionen Dollar unterschrieben, ein iranisches Ausscheiden würde die Einschaltquoten in der westlichen Asien- Diaspora um 38 Prozent sinken lassen, rechnete Infront gestern vor.
Die Spieler selbst schalten ab. Kapitän Ehsan Hajsafi postierte auf Instagram ein Foto vom Training, dazu das Wort «Inshallah» – mehr nicht. Die Botschaft: Wir sind bereit, egal wer in Washington oder Teheran gerade twittert. Ihr Stimmungsbild spiegelt sich in der Halle: 79 Prozent der 2.100 befragten Fans in Teheran wollen, dass die Mannschaft fliegt, ergab eine Umfrage der Mehr-Nachrichtenagentur. «Fußball ist das einzere Fenster, das noch offen steht», sagt Fan-Shop-Besitzerin Sara Modarres. «Wenn das zu geht, bleibt nur noch die Wand.»
Die Uhr tickt. In 14 Tagen endet die finale Meldefrist, dann sind 23 Namen einzufliegen. Keine Extrawurst, keine politische Klausel. Wer bis dahin nicht gemeldet ist, fliegt raus – so einfach sind die Regeln, selbst wenn draußen die Raketen fliegen. Der Weltcup beginnt am 11. Juni. Iran ist dabei. Punkt.
