Influencer-agentur all in stürmt den profifußball – christian clemens ko-investiert

Köln – Die Kreativschmiede All In, bisher bekannt für YouTube-Größen wie Rezo, eröffnet ein zweites Standbein: Ballin Player Management. Der Name ist Programm – und der erste Transfer ein echter Ex-Bundesliga-Profi. Christian Clemens, 32, ehemals 1. FC Köln, Schalke 04 und Mainz 05, steigt als Investor und Co-Eigentümer ein. Das verrät die Agentur exklusiv gegenüber TSV Pelkum Sportwelt.

Der drei-mann-gründungszirkel hinter ballin

Felix Leuer, früher Sportdirektor des Deutschen Basketball-Bundes, Konstantin Möllering, ehemals Kapitän von Borussia Dortmund II, und Kevin Tewe, Geschäftsführer von All In, haben die GmbH bereits im Frühjahr angemeldet. Die Triangel-Kombi verspricht Branchen-Know-how: Leuer kennt die Verbandstrukturen, Möllering die Trainingskatzen, Tewe die Digital-Deals. Das Ziel: Spieler nicht nur verwalten, sondern Marken aufbauen und Altersvorsorge mitdenken.

Erstes Aushängeschild: Torwart Leon Pöhls, derzeit bei St. Louis City SC in den USA. Dazu kommen zwei U-17-Nationalspieler aus Leverkusen und Mönchengladbach, deren Namen auf Wunsch der Eltern noch geheim bleiben. Auch das Creator-Duo „Brotatos“ mit 2,1 Millionen YouTube-Abonnenten ist an Bord – ein Testlauf dafür, wie Fußball-Content und Influencer-Marketing verschmelzen können.

Warum jetzt und warum köln?

Warum jetzt und warum köln?

Die Antwort liegt in der Zahlenlage. Die DFL meldet für die Saison 2023/24 Rekord-Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro, gleichzeitig schießen Beraterpools wie CAA Stellar oder Stellar Football nur so aus dem Boden. All In-Chef Tewe sieht eine Lücke: „Viele Spieler unter 21 haben heute mehr Follower als ein Zweitligist, aber keine Marke. Wir bauen die inklusive Altersvorsorge.“ Clemens pflichtet bei: „Ich habe gesehen, wie Teamkameraden nach der Karriere plötzlich keine Anfragen mehr bekamen. Das wollen wir ändern.“

Die Agentur verzichtet klassisch auf Prozente vom Gehalt. Stattdessen kassiert sie bei Image-Rechten, Sponsoring und Post-Career-Projekten. Ein Modell, das sich bereits in den USA etabliert – und hierzulande bislang nur vereinzelt praktiziert wird. Die erste große Testphase startet im Sommer: Drei Talente sollen vorzeitig Profiverträge erhalten, parallel dazu plant Ballin eine Podcast-Reihe mit Themen wie „Steuern für Fußballer“ oder „Immobilien statt Dönerbuden“.

Bisher arbeitet das Team von einer Pop-up-Bürogalerie in Kölns Belgischem Viertel. Umzug in die Kölner Südstadt ist geplant – direkt neben den All In-Hauptquartieren. Dort will man dann auch Influencer- und Fußball-Events verzahnen: gemeinsame Content-Drehs, Crossover-Kampagnen, Ticketing für Charity-Spiele. Die Lizenz der FIFA liegt noch nicht vor, dafür aber die der DFB-Spielervermittlung. Eine bewusste Abstufung: „Erst wollen wir beweisen, dass wir Spieler besser aufstellen als die Konkurrenz“, so Leuer.

Die Konkurrenz schläft nicht. Rogon, die Agentur von Ilkay Gündoğan, erweitert gerade das Gaming-Portfolio; die Stellar-Gruppe wirbt mit NFT-Sonderkonditionen. Ballin setzt dagegen auf Langfristigkeit: Verträge maximal auf vier Jahre beschränkt, dafür mit Karriereende-Coaching und Studienplatz-Vermittlung. Ob das reicht, um sich gegen die Großen durchzusetzen, wird sich zeigen. Fakt ist: Mit Christian Clemens haben die Kölner jetzt einen Mann an Bord, der sowohl die Kabine kennt als auch den digitalen Marktplatz. Das allein ist schon ein Statement – und ein Warnschuss für die etablierte Beraterriege.