Infantino zieht durch: iran soll 2026 dabei sein – krieg hin, krieg her

Gianni Infantino lässt sich nicht erpressen. Der FIFA-Präsident hält an Irans Start beim Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko fest – obwohl sich Washington und Teheran bereits in einem Schattenkrieg befinden und der iranische Sportminister die Teilnahme offen in Frage stellt.

„Iran muss kommen, klarer Fall“, sagte der Schweizer am Rande des Antalya-Diplomatie-Marathons. Dort hatte er die Mannschaft von Coach Amir Ghalenoei in ihrem Trainingslager besucht. „Die Spieler wollen spielen, sie haben sich sportlich qualifiziert, sie repräsentieren 88 Millionen Menschen. Wer sollte ihnen das verbieten?“

Trump warnt, teheran zögert, infantino reist

Die Lage ist brisant. Donald Trump fordert Garantien für die Sicherheit der iranischen Delegation, sollte sie auf US-Boden landen. Gleichzeitig erklärte Sportminister Hamid Sajjadi, man prüfe, „ob eine Reise unter den gegenwärtigen Bedingungen verantwortbar ist“. Die Rhetorik klingt nach Abschied, doch Infantino blockt ab.

Er greift auf das alte FIFA-Mantra zurück: Sport als Brücke, nicht als Keil. „Wir leben nicht auf dem Mond, wir leben auf diesem Planeten. Wenn sonst niemand mehr an Brücken baut, dann bauen wir sie eben weiter“, sagte er in einem Interview mit CNBC. Die Botschaft ist ein Schulterschluss mit den Athleten – und eine Ohrfeige für die Politik.

Die Zahlen sprechen für ihn: Iran ist seit 1978 ununterbrochen bei WM-Endrunden dabei, nur Brasilien und Deutschland können eine längere Serie vorweisen. Für die 2026er Ausgabe wurde das Team als erstes asiatisches Land nach Gastgeber USA, Kanada und Mexiko fix qualifiziert. Ein Ausschluss wäre ein Präzedenzfall mit unabsehbaren rechtlichen Folgen.

Antalya als pulsschlag

Antalya als pulsschlag

Infantino nutzte seinen Türkei-Trip, um sich ein Bild vom Gemütszustand der Gruppe zu machen. Er kam, sah und hörte: Die Spieler wollen. Die Delegation will. Selbst der Verband will – wenn auch unter Vorbehalt. „Das habe ich mit eigenen Augen gesehen“, betonte der 54-Jährige. Die Inszenierung ist geschickt: Er stellt sich als letzter Anwalt der Sportler auf, bevor Politiker über Köpfe entscheiden.

Doch hinter den Kulissen arbeitet die FIFA an einem Szenario-Baukasten. Sollte Iran kurzfristig absagen, rückt Oman als erstes Nachrückteam nach. Die Asiatische Fußball-Konföderation hat den Omanis bereits signalisiert, sich bereit zu halten. Ein Plan B, der niemandem genannt wird, aber alle beruhigt – außer den Iranern.

Die Uhr tickt. In 24 Monaten rollt der Ball in New Yorks MetLife Stadium zum Eröffnungsspiel. Bis dahin muss Infantino entweder den Krieg entschärfen oder die FIFA-Statuten so biegen, dass sie einen Ausnahmefall zulassen. Beides klingt utopisch. Aber der Mann, der 2018 trotz US-Sanktionen Russland die WM bescherte und 2022 Katar durch den Korruptionssturm steuerte, hat seine Rechnung ohne die Eigendynamik der Weltpolitik gemacht.

Wenn sich bis dahin nichts ändert, landet eine iranische Delegierung auf US-Boden – unter Secret-Service-Schutz, von Demonstranten umringt und mit der Angst im Nacken, dass ein einzelner Zwischenfall das ganze Turnier sprengt. Infantino wird dann vor laufenden Kameras erklären, dass Sport die größte Diplomatie sei. Die Geschichte wiederholt sich, nur lauter.