Indurain warnt vor zu viel druck auf seixas – pogacar bleibt favorit
Die Hoffnung auf einen neuen Star im Peloton ist groß, doch Miguel Indurain mahnt zur Vorsicht. Der fünfmalige Tour-de-France-Sieger sieht in Paul Seixas zwar das Potenzial, die Radsportwelt zu begeistern, warnt aber vor überzogenen Erwartungen und dem damit verbundenen Druck. In einer entspannten Atmosphäre am Rande der Titan Desert in Marokko betonte Indurain, dass der junge Franzose erst einmal seinen Weg im Profi-Radsport finden müsse.
Die balance zwischen euphorie und realität
Seixas' beeindruckende Leistungen in dieser Saison, insbesondere sein Sieg bei der Itzulia und seine knappen Niederlagen gegen Tadej Pogacar, haben die Gemüter erhitzt. Die französische Öffentlichkeit träumt bereits von einem neuen französischen Helden, doch Indurain, der selbst als einer der größten Radfahrer aller Zeiten gilt, rät zur Besonnenheit. "Er ist 19 Jahre alt und steht noch am Anfang seiner Karriere“, so Indurain. „Ich bin auch mit 19 in den Profi-Radsport gestartet, aber die Tour de France ist eine andere Nummer. Man muss erst einmal lernen, wie so eine Rundfahrt funktioniert.“
Indurain erinnert daran, dass die junge Generation immer früher in den Leistungssport kommt. Die Trainingsmethoden und die Ernährung sind längst nicht mehr so, wie sie in seinen Tagen waren. "Heute sind die jungen Fahrer schon sehr weit entwickelt, aber das bedeutet auch, dass sie schneller erschöpft sind. Es ist wichtig, dass sie nicht überlastet werden.“

Pogacar weiterhin eine klasse für sich
Obwohl Indurain die Entwicklung neuer Talente begrüßt, sieht er in Tadej Pogacar weiterhin den dominanten Fahrer. "Pogacar hat einfach einen Tick mehr drauf als die anderen“, erklärte der ehemalige Tour-Sieger. „Er hat ein starkes Team, eine unglaubliche Mentalität und ist in einer Form seines Lebens. Es ist schwer, ihn zu schlagen.“ Die Rivalität zwischen Pogacar und Seixas könnte in den kommenden Jahren zu spannenden Duellen führen, doch im Moment scheint Pogacar die Oberhand zu haben.
Indurain blickte zudem auf seine eigene Karriere zurück und betonte, dass er seinen Abschied vom Radsport zum richtigen Zeitpunkt vollzogen hat. "Ich habe mit 19 Jahren angefangen und bin mit 38 Jahren aufgehört. Das ist eine lange Zeit auf höchstem Niveau. Man wird müde, sowohl körperlich als auch mental. Aber ich habe das Radfahren immer geliebt, und ich bin dankbar für alles, was ich erreicht habe.“ Er schloss sich, mit einem Augenzwinkern, der Frage nach einem möglichen Comeback, indem er feststellte: „Das ist Vergangenheit. Jetzt genieße ich das Leben – und die Titan Desert.“
