Indian wells: tennis-stars laufen modenschau, einzelpreisgeld sinkt

Millionendollar-Tennis trifft Laufsteg: Beim Masters 1000 in Indian Wells marschieren Top-Spieler künftig durch einen eigenen Tunnel in Designer-Outfits – während sich das Preisgeld fürs Einzel um zwei Prozent verkleinert und aufs Doppel um 300 % erhöht.

Runway statt aufwärmzone

Die ATP kopiert den NBA-Style. Vor jedem Match schlendern ausgewählte Profis über einen extra abgesperrten Zugang, begleitet von Kameraleuten und Modeberatern. Das Ziel: Die Athleten sollen „markenfit“ wirken, Social-Media-Clips entstehen schon vor dem ersten Aufschlag. Naomi Osaka hatte den Trend in Melbourne mit ihrem maßgeschneiderten Robert-Wun-Dress vorgelegt; Indian Wells macht daraus nun Standard.

Das Format „tunnel walk“ wird in Kalifornien erstmals flächendeckend getestet. Ob Carlos Alcaraz und Jannik Sinner mitmachen, entscheidet der Veranstalter nach Startplatz und Image. Klar ist: Die Spieler dürfen ihre Looks nicht selbst bezahlen – Labels buchen die Slots, die ATP kassiert Vermittlungsgebühren.

Das preisgeld-roulette

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Doch hinter dem Glamour verändert sich die Kasse. Gesamtpool: 18,9 Millionen Dollar, zwei Prozent weniger als 2024. Der fehlende Betrag fließt direkt in die Doppelkonkurrenzen – Mixed erhält satte eine Million, ein Plus von 300 Prozent. Herren- und Damendoppel legen um zwei Prozent zu. Die Botschaft: Wer nur Einzel spielt, verdient weniger; wer zusätzlich paart, profitiert.

Italien profitiert doppelt. Sara Errani und Andrea Vavassori verteidigen ihren Mixed-Titel, Matteo Berrettini und Lorenzo Sonego wollen im Herrendoppel ihren Viertelfinal-Einzug vom Vorjahr wiederholen – diesmal mit dickerem Scheck. Die Regeländerung treibt Top-Single-Spieler wie Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas in die Doppel-Liste, was wiederum das Niveau dort erhöht und neue TV-Quoten bringt.

Die Rechnung geht auf: Mehr Stars, mehr Outfits, mehr Content – und die Kosten tragen die Einzelspieler, ohne dass sie sich wehren können. Indian Wells 2025 ist damit das Experimentfeld für ein Tennis, das künftig nicht nur mit Schlägen, sondern auch mit Likes punkten will.