Philina schwartz rast 7,18 sekunden – und will gina lückenkemper beerben

19 Jahre, 7,18 Sekunden, ein Satz mit Promi-Potenzial: Philina Schwartz hat sich in Dortmund den 60-m-Titel geschnappt und kündigt direkt an, dass sie Deutschlands aktuelle Sprint-Queen Gina Lückenkemper beerben will. „Jedes Mädchen möchte ihre Nachfolgerin werden, natürlich auch ich“, sagt sie, noch ehe der Siegersekt richtig schäumt.

Die hallensaison war ein einziger dauerbrenner

Im Vorjahr lief sie 7,36 Sekunden, heute 7,16 – zwei Zehntel abgestrippt, als wären sie nur ein lästiges Fliegengewicht. Die Fach-Abiturientin rechnet intern schon runter: 7,16 Sekunden über 60 Meter bedeuten, dass sie im Sommer an der 11-Sekunden-Marke über 100 Meter kratzen kann. Nur: „Ich will mich nicht mit Zeiten beschäftigen“, sagt sie und schiebt stattdessen den Blick nach Torun, wo in zwei Wochen die Hallen-WM steigt.

Die neue Schnelligkeit kommt nicht von ungefähr. Vor fünf Jahren zog sie von Oberhausen nach Berlin, seit drei Jahren feilt Max Schnicke an ihrer Technik. „Wenn man alte Videos vergleicht, wirkt mein Lauf heute wie ein durchkomponierter Song – alles sitzt“, erklärt sie. Der Coach nennt das „Startphase entgiftet, Frequenz hochgezüchtigt“. So entstand der Titel, der nun plötzlich Reporterzüge vor dem mixed zone-Zelt produziert.

Promi-status ist neuland – und sie genießt ihn

Promi-status ist neuland – und sie genießt ihn

Schwartz lacht, wenn sie von der „Leistungssportbubble“ spricht, in die sie erst vor Kurzem hineingespült wurde. „Ich finde Interviews total toll, auch wenn ich manchmal die passenden Worte suche wie einen Ersatzschlüssel im Trainingstaschenchaos.“ Das klingt ehrlich, fast ein bisschen altbacken, genau deshalb glaubt man ihr jedes Zehntel. Ihre Eltern stehen beim Zieleinlauf mit Handys, die Mutter wischt sich eine Träne weg, der Vater ruft: „Jetzt erst recht Torun!“

Die Konkurrenz schaut auf. Lückenkemper sendet ihr ein Herzchen via Instagram, Rebekka Haase gratuliert mit einem Faust-Emoji. Intern spricht man schon von der „Post-Gina-Ära“, auch wenn diese selbst erst 28 ist. „Soll sie ruhig weitersprinten“, sagt Schwartz, „ich will nebenher auch eine Spur aufmachen.“

Die Zeitenlage für den Sommer: offen. Die Tendenz: steil. Die Botschaft: Ich bin bereit, euch alle zu jagen. Und sie meint nicht nur die Uhr, sondern auch das Publikum, das sie nach dem Triumph in Dortmund minutenlang nicht gehen lässt. 7,18 Sekunden – ein kleiner Funke, der gerade ein großes Feuer entzündet.