Ilka stuhec hängt die ski an den nagel – ihre letzte fahrt wird zur legende
Die Königin der Abfahrt macht ihrem Titel alle Ehre. Ilka Stuhec wird nach den Speed-Rennen in Kvitfjell die Ski endgültig beiseite stellen. Die 35-jährige Slowenin, zweimalige Weltmeisterin und elfmalige Weltcupsiegerin, bestätigte am Samstag gegenüber slowenischen Medien: Das Weltcupfinale in Norwegen wird ihre letzte Station. Kein Tränenfinale, kein sentimentaler Abstieg. Stuhec will mit Vollgas gehen – so wie immer.
Kein abschied auf rädern, sondern auf kante
„Ich möchte in den letzten beiden Rennen so abschneiden wie immer – maximal vorbereitet und wettbewerbsfähig, um die schnellste Zeit zu erzielen“, sagte sie. Nach dem Sonntag bleibe Zeit für Rückblicke, nicht davor. Das ist keine Show, das ist Stuhec. Keine Kuschelpause, keine Ehrenrunde. Nur Speed.
Ihre Karriere liest sich wie ein Krimi mit offenem Ende. 2017 riss sie die Abfahrtskugel an sich, krönte sich in St. Moritz zur Weltmeisterin und wurde im Super-G sowie der Gesamtwertung nur von Tina Weirather bzw. Mikaela Shiffrin gestopft. Ein Jahr später folgte die zweite Goldmedaille in Åre. Doch zwischen den Triumpfen lauerten die Schatten: Knie-Operationen, Stürze, die unsichtbaren Risse im Gewebe, die nur sie spürte.
Die Saison 2016/17 war ihre Stunde Null – und zugleich ihre Eins. Sie gewann die Kombinationswertung, wurde im Super-G Zweite und im Gesamtweltcup nur um 117 Punkte hinter Shiffrin Zweite. Die Zahlen klingen nach Statistik, sind aber gelebte Eiseskälte: In 17 Speed-Rennen jener Saison stand sie 15 Mal auf dem Podest, davon 9 Siege. Keine Slowenin war je dominanter.

Die letzte fahrt beginnt am hang von kvitfjell
Val d’Isère, Dezember 2025: Stuhec wird Vierte, nur zwei Zehntel fehlen zum Podest. Für viele wäre das ein Trostpflaster, für sie ein Gnadenschlag. Sie erkennt, dass der Körper nicht mehr lügt. Die Entscheidung reift nicht in Krisensitzungen, sondern zwischen den Toren, wo die Beine zittern, nicht mehr zischen.
Nun steht sie vor ihrer letzten Abfahrt. Die Piste in Kvitfjell gilt als schnellste der Welt – 2,1 km, 660 Höhenmeter, eine Schusslinie, die keine Gnade kennt. Perfekt für jene, die sich nicht verabschieden, sondern loslassen wollen. Ihre Fans werden die Fahnen hochhalten, doch Stuhec wird nur die Uhr im Blick haben. Sekundenbruchteile statt Tränen.
Nach dem Zielstrich wird sie die Ski ausklinken, den Helm abnehmen und sich umdrehen – nicht zum Winken, sondern um sich die Zeit auf der Anzeige einzuprägen. Dann wird sie gehen, ohne Nachruf, ohne Rückwärtsgang. Elf Siege, zwei WM-Titel, eine Nation, die sie nie vergessen wird. Die Uhr bleibt stehen, die Spuren im Schnee nicht.
