Hsg hanau sichert sich drittliga-goalie benedikt müller für weitere saison
Die HSG Hanau stoppt den personellen Umbruch: Benedikt Müller bleibt. Der 33-jährige Polizist aus Frankfurt zieht die Handschuhe noch einmal an und verlängert seinen Vertrag bis 2025 – ein Segen für den Aufstiegsaspiranten der 3. Liga Süd-West.
Mentalitätsmonster zwischen den pfosten
Mit 90 Pflichtspielen in zwei Hanauer Epochen ist Müller längst keine Nomade mehr. „Er spricht kaum laut, aber wenn er’s tut, hören alle auf“, sagt Reiner Kegelmann, sportlicher Leiter. Genau dieses Schweigen macht den Keeper unberechenbar. In den engen Minuten gegen HSG Bensheim/Auerbach (27:26) oder TV Nieder-Olm (25:24) flog Müller quer durch den Torraum, blockte Siebenmeter und schrie sich die Lunge aus dem Leib – ohne je die Fassung zu verlieren.
Trainer Axel Spandau nennt ihn „einen zweiten Abwehrspieler mit Torwarmschinen“. Die Zahlen untermauern das: 34 Prozent Fangquote in den Top-Spielen, dazu 28 Fast-Break-Paraden – nur Saad Khan, sein Konkurrent und Partner, liegt knapp darüber. Gemeinsam bilden sie das beste Torhüter-Duo der Staffel, ein Polizist und ein Krankenpfleger, die den Gegnern den Atem rauben.

Fans lieben den mann, der nie jubelt
Im Blauen Block haben sie ein Lied für ihn: „Ben-ne, Ben-ne Müller!“ Er selbst winkt ab, als hätte er nur seinen Dienst nach Vorschrift erledigt. Dabei liegt gerade darin der Clou. Während andere Keeper sich nach jeden Save filmen, dreht Müller einfach ab, stellt sich wieder hin, wartet. Diese Ruhe steckt an. „Wenn er steht, steht die Abwehr“, sagt Hannes Geist, Geschäftsführer. Kein Zufall, dass Hanau seit seinem Winter-Comeback nur zwei Heimpleiten kassierte.
Die Vertragsverlängerung kommt zur richtigen Zeit. Mit 24 Punkten aus 14 Spielen rangiert Hanau auf Rang drei – zwei Zähler hinter Spitzenreiter TV Hüttenberg, aber mit einem Spiel weniger. Die direkte Drittplatzierung würde zur Relegation berechtigen, ein Sprung, den der Verein seit 2019 anpeilt. „Wir wollen nicht nur mitspielen, wir wollen rauf“, sagt Müller. Die interne Marschroute lautet: mindestens 18 Punkte aus den letzten zehn Spielen. Ohne ihren Lotten-Keeper wäre das ein Bluff.

Polizei, familie, handball – das drehbuch bleibt
Privat steht für Müller bereits fest: nach der Karriere wird er in der 5. Polizeiinspektion Frankfurt weitermachen. Doch bis dahin sind es mindestens 30 weitere Spiele. „Ich bin 33, aber die Knie fühlen sich an wie 28“, lacht er. Die medizinischen Tests bestätigen: Sprungkraft und Reaktion liegen im Bundesliga-Durchschnitt. Sein Geheimnis: zweimal die Woche Frühschicht, dann direkt ins Stadion, um noch einmal 200 Würfe zu nehmen. „Stress ist nur Kopfsache“, sagt er.
Die Konkurrenz schaut neidisch. Der TV Großwallstadt versuchte bereits im Winter, Müller mit einem Zweijahreskonzept zu locken. Antwort: „Ich habe hier noch was zu holen.“ Nun unterschreibt er für zwölf Monate – mit Option auf weitere zwölf. „Wenn wir oben bleiben, war’s das noch lange nicht“, sagt er. Die Fans jubeln, der Gegner zittert. Der Blaue Block kann sich schon mal auf September 2024 vorbereiten: Benedikt Müller wird wieder das Tor hüten – und vielleicht diesmal sogar lächeln.
