Eintracht bamberg entlässt gernlein – bayernliga-traum droht zu platzen
Jan Gernlein muss gehen. Dreieinhalb Jahre nach dem historischen Regionalliga-Aufstieg schickt der FC Eintracht Bamberg seinen Erfolgstrainer in die Wüste – und das nur 270 Minuten nach Beginn der Rückrunde. Ein Punkt aus drei Spielen, acht Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz, zwölf auf Spitzenreiter Eltersdorf: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
Die entscheidung fiel am freitagabend
Sascha Dorsch sitzt in der Geschäftsstelle an der Hauptstraße, zieht die Brille ab und spricht das aus, was viele Fans seit Wocen denken: „Wir haben hohe Ziele verfehlt.“ Die Worte klingen, als hätte er sie vorher auf der Zunge zergehen lassen. Denn hinter der Trennung steckt mehr als nur ein sportlicher Kater – sie ist ein Eingeständnis des Scheiterns, ein Schnitt ins eigene Fleisch.
Gernlein kam 2020, als die Klub-Kasse leer und der Kader dünn besetzt war. Er holte den Klassenerhalt, schaffte 2022 den Aufstieg, feierte mit den Domreitern zwei Jahre lang Regionalliga-Luft. Nun endet die Ära mit einem Handschlag im Büro, ohne Streit, ohne Tränen. „Alles hat seine Zeit“, sagt er und klingt dabei, als hätte er den Satz schon vor Monaten aufgespart.

Interimslösung für den samstag
Bereits heute um 14:00 Uhr steht das Nachholspiel gegen Großschwarzenlohe an. Simon Schmoll, eigentlich Individualtrainer, wird an der Linie stehen, neben ihm der langzeitverletzte Marc Reischmann, der seinen Kreuzbandriss gerade erst überwunden hat. Eine Notlösung, aber auch ein Signal: Bamberg will nicht warten, bis die Saison endgültig wegläuft.
Die Suche nach einem Nachfolger läuft auf heißen Sohlen. Interne Kandidaten? Ex-Profi Daniel Jais, derzeit U19-Coach. Externe? Das Telefonbuch der Bayernliga ist dünn besetzt, die Meisterfrage längst verteilt. Wer auch immer kommt, er erbt kein Projekt, sondern eine Rettungsaktion.
Die Fans reagieren gemischt. In den sozialen Netzwerken feiern einige den Schritt, andere erinnern an die erfolgreichen Jahre, an den 3:0-Sieg gegen Bayern II, an die magischen Abende im Wolfswinkel-Stadion. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Zwischen Dankbarkeit und Erwartungsdruck, zwischen Erinnerung und Gegenwart.
Am Ende bleibt ein Satz, den Gernlein in seinen Abschiedsworten fallen lässt: „Der überraschende Aufstieg wird mir immer eine tolle Erinnerung bleiben.“ Für den FC Eintracht Bamberg beginnt nun die Erinnerungsarbeit an eine Zukunft, die plötzlich wieder ganz klein geworden ist.
