Horngacher raus – der nachfolger sitzt schon im geheimversteck
Stefan Horngacher hat das letzte Mal gegriffen, gelacht, gegrummelt. Nach seinem 156. Weltcup im DSV-Dress schließt sich hinter ihm die Tür, und die nächste geht schon auf – nur: niemand darf durchschauen. Die Skispringer wissen, wer sie künftig anschreit, die Verbandsspitze verriegelt den Namen wie einen Baukasten mit Migrationshintergrund.
Die spielregel lautet: schweigen, sonst platzt die erfolgsstory
Karl Geiger zwinkert statt zu antworten. „Funktionieren wird’s“, sagt er, als hätte er schon die neue Saison in der Tasche. Horst Hüttel, Sportdirektor, wickelt die Formel zusammen: „Noch ein paar Tage Geduld.“ Klingt nach Kindergarten, ist aber Machtpolitik. Wer springt schon freiwillig vorzeitig über die eigene Medienrampe, wenn die Quotenmarke „Horngacher-Abschied“ noch nicht ausgeschlachtet ist?
Der Österreicher verabschiedet sich mit einer Zwei vor dem Komma. Gold, Silber, Bronze – alles dabei, nur kein Vierschanzentour-Sieg seit 2002. Der große Traum blieb ihm verwehrt, dafür liefert er jetzt ehrliche Selbstkritik ab: „Nicht ganz ausreichend“ sei die Saison. Kein Trainer redet so, wenn er noch ein Jahr Vertrag hätte.
Der 56-Jährige will pilzen, radeln, Gitarre spielen – klingt nach Rente, ist aber nur die Pause vor dem nächsten Job. Horngacher ohne Skisprung? Geht nicht. Er wird zurückkommen, wenn niemand mehr „Horngi“ ruft.

Der dsv zahlt die rechnung für sieben jahre halbglück
Die deutschen Adler flogen hoch, stürzten ab, flogen wieder. Mal fehlte der Wind, mal der Mut. Rydzek, Freitag, Leyhe – sie alle suchten eine Konstante und fanden sie nur im Trainerblick. Doch selbst der Olympiasieg von Rydzek in Peking war ein Einzelschicksal, kein Teamschub. Die Lücke zur Norweger- und Slowenen-Gruppe klafft jetzt so breit wie nie.
Die nächste Führung muss nicht nur Technik, sondern Seelen verbinden. Horngacher war ein Fels, kein Psychologe. Sein Nachfolger bekommt ein Rudel gestrandeter Talente, das sich selbst frägt: Warum schafft’s Kobayashi im Kopf, ich nicht?
Die Entscheidung fällt diese Woche. Dann platzt das Geheimnis, und ein neues Kapitel beginnt – mit dem alten Druck. Wer auch immer die Zügel übernimmt: Er tritt keine Stelle an, sondern einen Berg aus Erwartungen. Horngacher hinterlässt keine Trümmer, aber ein Puzzle mit fehlenden Stücken. Der DSV braucht keinen Retter, er braucht jemanden, der die Springer endlich wieder springen lässt – statt sie reiten zu lassen.
