Tatjana maria bricht fluch: 19 jahre jüngere gegnerin weggefegt
Endlich. Nach einem halben Jahr voller blutleerer Auftritte und sechs Pleiten am Stück schlägt Tatjana Maria in Bogotá zurück – und wie. Die 38-Jährige demoliert die kolumbianische Hoffnung Maria-Valentina Mediorreal Arias 6:2, 6:1, nur 67 Minuten, keine Chance.

Der sieg kam im richtigen moment
Maria, 2018 noch Halbfinale in Wimbledon, war zuletzt ein Gespenst ihrer selbst. Seit August 2025 wartete sie auf einen Erstrunden-Erfolg, dreimal scheiterte sie in Qualifikationen, zweimal verlor sie im Hauptfeld mit Matchball. In der Weltrangliste rutschte sie auf Position 287 ab, ihre schlechteste Platzierung seit 15 Jahren. Die Zahl spricht Bände: 181 Tage ohne Sieg.
Jetzt das Déjà-viertel. Bogotá war schon immer ihr Revier: 2015 und 2023 holte sie die Trophäe, beide Male als Außenseiterin. Die Höhenluft auf 2.640 Meter, der rote Sand, das Publikum – sie liebt es. „Ich fühle mich hier zuhause“, sagte sie nach dem Match, die Stimme rau vom kolumbianischen Staub. „Die Bälten fliegen langsamer, ich kann meine Slice-Varianten besser einsetzen.“
Gegen Mediorreal Arias, halb so alt und mit Weltranglistenplatz 412 nur auf Papier leichtes Spiel, nutzte Maria genau das. Sie ließ der 19-Jährigen keine Rallye länger als vier Schläge, zwang sie mit tiefen Bällen zu 22 direkten Fehlern. Der entscheidende Break im vierten Game des ersten Satzes: Maria schickt einen Cross-Return ans Netz, Mediorreal Arias rutscht weg, 3:1. Die Runde ist gelaufen.
Im Achtelfinale wartet Katarzyna Kawa. Die Polin ist zwar nicht in den Top 100, aber auf Sand gefährlich. Maria kennt sie gut: 2021 in Charleston gewann sie in drei Sätzen. Ein Viertelfinale könnte gegen Landsfrau Ella Seidel stehen – die 20-Jährige aus Hamburg ist die einzige andere Deutsche im Tableau. Für Maria wäre es das erste deutsche Duell seit 2022.
Die Zahlen hinter dem Comeback: 18 Winner, 11 unerzwungene Fehler, 76 % erste Aufschläge im Feld. Ihr Coach, ihr Ehemann Charles-Edouard Maria, atmete sichtlich auf. „Wir haben in den letzten Wochen an der Mentalität gearbeitet, nicht an der Technik“, verriet er. „Sie musste wieder lernen, dass sie gewinnen darf.“
Derweil tickt die Uhr. Mit 38 ist Maria die älteste Spielerin im Hauptfeld, älter als das Turnier selbst. Ihre Töchter Charlotte und Cecilia warteten im Spielerinnenzelt, schwenkten ein selbstgemaltes Poster: „Mom, du rockst!“ Die nächste Generation applaudiert, während die alte Garde nachsetzt. Ein Sieg reicht nicht, aber er riecht nach Anfang, nicht nach Ende.
