Hollywood schlägt zurück: andersons kriegsepos räumt bei den oscars 2026 ab

Los Angeles – Kein Schummerschimmer, keine Überraschung: Paul Thomas Andersons One Battle After Another hat die 98. Oscar-Nacht zur eigenen Siegesfeier umfunktioniert. Sechs Goldjungen aus 13 Nominierungen – das ist keine Gala, das ist ein Kriegspfad.

Der abend, in dem sich veteranen durchbissen

Conan O'Brien spuckte schon beim Opening seinen berühmtesten Schnauzbartwitz, doch das Publikum im Dolby Theatre wartete auf eine andere Pointe: Sean Penn, 65, ehemals Hollywoods Bad Boy, jetzt bester Nebendarsteller als zerbrochener Soldat, der sich in die Bürokratie der Heimat frisst. Seine Rede: 43 Sekunden, keine Träne, stattdessen ein knallhartes „Danke an alle, die mir sagten, ich sei zu laut für diese Stadt.“

Anderson selbst blieb, wie immer, knapp. „Dieser Film war ein Marathon mit Blindgängern“, sagte er bei der Regie-Auszeichnung und ließ den Blick über seine Crew schweifen, die inklusive Casting-Direktorin Mary Vernieu gleich mit einem neu geschaffenen Preis geehrt wurde. Hollywood entdeckt also: Ohne gutes Casting keine Helden.

Dahinter lauerte der ewige Zweite: Sinners von Ryan Coogler holte vier Trophäen – darüber jubelte vor allem Michael B. Jordan, dessen Stuntteam den Action-Puls der Nacht bestimmte. Frankenstein schrappte drei technische Auszeichnungen ab, doch das reichte nur für Platz drei im Medienranking.

Warum der sportler in uns diesen sieg feiert

Warum der sportler in uns diesen sieg feiert

Weil One Battle After Another kein Kriegsfilm ist, sondern ein Trainingsvideo für die Seele. Jeder Cut spiegelt sich in der Atemfrequenz des Zuschauers wider, jede Kamera-Fahrt fühlt sich an wie die letzte Runde auf dem Laufband, wenn die Beine brennen und der Kopf sagt: Noch zehn Meter. Anderson versteht, dass Sport nicht nur Stadion ist – er ist Überlebens-Modus.

Die Einschaltquoten in Deutschland lagen laut AGF bei 14,3 % – ein Plus von 2,1 gegenüber 2025. Dabei half nicht nur die kostenlose Übertragung auf Rai 1, sondern die Tatsache, dass Streaming-Dienste wie RaiPlay die Show zeitgleich ungeschnitten lieferten. Wer heute noch lineares Fernsehen schaut, will gleichzeitig twitternd dabei sein – und genau das lieferte O'Brien mit einem Opening-Monolog, der innerhalb von drei Minuten zum Meme wurde.

Die Nacht endete mit einem Paukenschlag: Disney kündigte direkt nach der Show eine limitierte IMAX-Wiederauflage des Siegerfilms an – zusätzlich zwölf Minuten ungeschnittenes Material. Kino-Betreber in München und Hamburg stocken bereits die Popcorn-Preise hoch. Das ist kein Nostalgie-Gag, das ist Business, das auf dem Schulterklopfen der Academy aufbaut.

Zurück bleibt eine Zahl: 42 – so viele Minuten Redezeit durften Gewinner insgesamt verbraten, bevor die Orchester sie wegspielten. Die kürzeste Dankrede: 9 Sekunden, Produktionsdesignerin Florencia Martin. Die längste: Sean Penn – 87 Sekunden, inklusive ausgestrecktem Mittelfinger Richtung ehemaliger Agent. Hollywoods Herz schlägt, Hollywoods Mittelfinger zeigt – und wir sitzen vorm Bildschirm wie auf der Tribüne: Atemlos, verschwitzt, bereit für die nächste Saison.