Timo boll verabschiedet sich mit augenzwinkern von hollywood

Timo Boll ist kein Oscar-Preisträger – und genau das ist auch gut so. „Meine Oscar-Hoffnungen sind damit, glaube ich, für immer gestorben“, sagt der 45-Jährige mit einem Lachen, das mehr Erleichterung als Enttäuschung klingt. Die Nacht nach der Verleihung war lang, aber nicht wegen einer Trophäe, sondern wegen der Menschen, mit denen er im vergangenen Sommer fünf Ballwechsel in Brooklyn gedreht hat.

Ein satz, ein wechsel, ein traum

Ein satz, ein wechsel, ein traum

Von den fünf Ballwechseln blie nur einer im finalen Cut von „Marty Supreme“. Dafür sagt Boll einen Satz – und landet im Abspann. Für einen Tischtennis-Weltmeister, der sonst in 1,8 Sekunden reagiert, ist das ein Schnappschuss. „Ich habe gespürt, wie viel Herzblut da drinsteckt“, sagt er. „Ein Oscar wäre die Krönung gewesen, aber die Reise war das Goldstück.“

Die 150-Millionen-Dollar-Produktion ging leer aus – neun Nominierungen, null Statuetten. Timothée Chalamet spielt den fiktiven Tischtennis-Gott Marty Supreme, Boll spielt dessen tschechoslowakischen Gegner im New York der 50er. Die Szene dauert unter zehn Sekunden. Trotzdem schreibt sich Boll seit gestern selbst auf die Liste derer, die Hollywood mal von innen gesehen haben. „Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte“, sagt er. „Das reicht für ein Leben.“

Die Crew schreibt ihn an, der Cast schickt Sprachnachrichten. Boll antwortet aus Düsseldorf, wo er gerade wieder Vollzeit-Trainer ist. Die Filmbusiness-Lektion: Ein Blockbuster kann floppen, aber das Klima auf dem Set bleibt. „Ich habe mitgefiebert, aber nicht für mich“, sagt er. „Ich kenne das Gefühl, wenn du alles gibst und am Ende steht eine Niederlage.“

Marty Reisman, der echte Supreme, wurde nie Weltmeister. Boll holte dreizehn EM-Titel. Jetzt hat er auch noch eine IMDb-Seite. „Für Timo Boll reicht das“, sagt er und lacht wieder. Der Oscar bleibt in Los Angeles – der Odenwälder fliegt zurück in die Halle. Dort wartet ein neues Match. Ohne Kameras, dafür mit Punkten. Und die zählen immer noch lauter als Gold.