Hilzinger schockt dürr, amman stürzt gratz ab – deutsche ski-meister sind jetzt jünger, schneller, hungriger

Die Axamer Lizum wurde am Sonntag zur Schleuder. Drei Titel, drei Mal Herzrasen: Jessica Hilzinger zerlegte im Riesenslalom die Favoritin Lena Dürr, Hannes Amman schickte Routinier Fabian Gratz nach Hause und Sebastian Holzmann trat genau dort, wo Linus Straßer fehlte – aufs oberste Treppchen.

Die 28-jährige allgäuerin nutzte dürrs fehler und holte ihren ersten dm-titel

0,35 Sekunden fehlten Hilzinger auf die Siegerin Leonie Raich, doch der Platz reichte, um sich endlich als Königin zu krönen. Hinter ihr rutschte Dürr nach einem Fahrfehler aus, die 34-Jährige musste mit ansehen, wie die Jüngere jubelte. „Ich habe nur noch Gas gegeben“, sagte Hilzinger, die ihren Trainer kaum noch hören konnte vor Adrenalin.

Ein Tag zuvor hatte Dürr im Slalom noch souverän gewonnen – 1,29 Sekunden Vorsprung, ihre zweite DM-Gold nach 2016. Doch der Riesenslalom war anders: „Da hat das Schicksal zugeschlagen“, sagte sie knapp. Für Hilzinger war es die Revanche nach Jahren im Schatten der Altmeisterin.

Amman räumt auf, gratz fliegt raus

Amman räumt auf, gratz fliegt raus

Bei den Männern wurde der Riesenslalom zur Jung-Offensive. Fabian Gratz, WM-Starter und Top-Favorit, schied im ersten Lauf aus. Anton Grammel, ebenfalls Weltcup-Erfahrener, verlor im Finale 0,42 Sekunden und landete nur auf Rang vier. Jonas Stockinger fiel von Platz eins auf zwei zurück. Sieger wurde Hannes Amman vom RG Burig Mindelheim – 23 Jahre alt, bislang ohne nennenswerte Podestplätze im Weltcup.

Die Zuschauer am Streifenstand brüllten sich heiser, als Amman mit 0,28 Sekunden Vorsprung ins Ziel raste. „Ich habe nichts zu verlieren gehabt“, sagte er später. Sein bisher größter Erfolg: ein Junioren-Europacup-Sieg. Jetzt trägt er die Krone.

Stockinger verspielt führung, holzmann nutzt straßers absenz

Stockinger verspielt führung, holzmann nutzt straßers absenz

Im Slalom profitierte Sebastian Holzmann vom Ausfall von Linus Straßer. Der 33-Jährige aus Oberstdorf fuhr 0,09 Sekunden vor dem Österreicher Ralph Seidler und 0,48 vor Dominik Zerhoch. „Linus fehlt natürlich“, sagte Holzmann, „aber ich nehme das Gold trotzdem mit.“ Es ist seine dritte nationale Goldmedaille, die wichtigste.

Die Abfahrt hatte zuvor schon für erste Wehen gesorgt: Fabiana Dorigo gewann vor Emily Wörle und Antonia Reischl, Felix Rösle holte sich bei den Männern den Titel – 0,03 Sekunden vor dem eigentlich zurückgetretenen Romed Baumann. Super-G? Abgesagt. Nebel, Wind, keine Diskussion.

Am Ende steht eine neue Rangliste: Jünger, schneller, unbekannter. Die DSV-Spitze muss umdenken – oder lernen, wieder mitzuhalten.