Vingegaard knallt catalunya-week ein – giro-generalprobe bestanden

Barcelona – 95 Kilometer, Asphalt glühend, 23 Sekunden Vorsprung am Ende. Jonas Vingegaard schob sich Sonntagmittel über den Zielstrich am Montjuïc, zog das grün-weiße Trikot der 105. Volta a Catalunya über den Kopf und beendete damit jede Diskussion darüber, wer im Mai die pinken Flocken im Giro dominiert. 48. Profisieg, zweiter Etappenrenn-Coup in diesem Frühjahr nach Paris-Nizza. Der Rest des Feldes blickte verlegen auf sein Hinterrad.

Die attacke, die alles entschied

Schon am Samstag hatte der Däne auf dem brutalem Steig nach Queralbs dem Konkurrenten die Beine gescannt. Am finalen Katalonien-Rundkurs setzte er nach 42 Kilometern die Explosion nach, die Martinez und Lipowitz nur noch müde nicken ließ. „Ich wollte nicht rechnen, ich wollte angreifen“, sagte er – und meinte damit nicht nur Sekunden, sondern Seelen.

Der Sieg kam ohne Show, dafür mit Zahlen: 18 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen, 31 auf den jungen Deutschen. Das Team Visma-Lease a Bike fuhr die perfekte Generalprobe: Höhentraining in Sierra Nevada, frühe Saisonform, null Panik. Wer jetzt noch glaubt, der 29-Jährige sei ausschließlich ein Tour-de-France-Spezialist, versteht nichts über Rhythmus und Rache.

Australier erlöst sich – ciccone ziert die berge

Australier erlöst sich – ciccone ziert die berge

Den Tagessieg holte sich Brady Gilmore, ein 24-jähriger Australier, der bisher vor allem für aussichtsreiche Breakaways und schlechtes Timing bekannt war. Diesmal hielt er den Rückstand bis ins Ziel, jubelte wie ein Lotto-Gewinner und nahm sich gleich einen neuen Ruf mit: Mann für Ein-Tages-Kunststücke. Dahinter Remco Evenepoel, der mit dem dritten Platz die Lektion kassierte, dass man Vingegaard nicht nur in Frankreich über die Berge schicken muss.

Italiens Giulio Ciccone sicherte sich die Bergwertung. Für den Trentiner ist das keine Trophäe, sondern Visitenkarte. Er weiß, dass der Giro 2024 mehr Anstiege bietet als ein Jahr Urlaub in den Dolomiten. Wer die Punktemaxime dominiert, dominiert vielleicht bald die Alpen.

Was das bedeutet – für die konkurrenz und für uns

Was das bedeutet – für die konkurrenz und für uns

Die Botschaft ist laut: Wenn Vingegaard so früh so stark ist, werden Mai und Juli zur Geduldsprobe für Pogačar, Roglič und Co. Die Visma-Maschine läuft bereits auf Hochtouren, während andere Teams noch an der Zündung drehen. Für uns Zuschauer bedeutet das Spektakel statt Vorhersage. Und für mich als Reporter: endlich wieder ein Giro, bei dem nicht nur das Wetter, sondern auch die Beine für Überraschungen sorgen.

Die 105. Volta endet mit 48 Stunden Vollgas, 1.000 Höhenmetern und einem Favoriten, der die Saison schon jetzt in Goldbuchstaben schreibt. Wer jetzt noch einen Grund braucht, den Giro zu verfolgen: Der Mann in Gelb trägt ab Mai Pink – und er fährt nicht, um zweiter zu werden.