Herzschmerz wird zur rakete: laegreid fliegt nach olympia-desaster zum sieg
Sturla Holm Laegreid schießt fehlerfrei, gewinnt in Otepää und weint sich trotzdem die Seele aus dem Leib – nicht vor Freude, sondern vor Angst, dass die Saison endet und die leere Wohnung zurückbleibt.
Der norweger läuft auf todesstoß-modus
Seit er in Peking vor laufender Kamera gestand, seine Freundin betrogen zu haben, ist der 29-Jährige sieben Mal gestartet – und sieben Mal aufs Podest gelaufen. Die Formel klingt simpel: je mehr Seelenqual, desto schneller die Ski. In Otepää distanzierte er Emilien Jacquelin um zehn Sekunden, Philipp Nawrath musste 17 Sekunden hinnehmen. Beide blieben ohne Schießfehler, beide hatten keine Chance.
Laegreids Körper erzählt eine andere Geschichte. Schlaf statt Regeneration – drei, vier Stunden maximal. Die Hüfte schmerzt, die Wangen sind eingefallen. „Ich verliere noch mehr Gewicht, wenn die Saison vorbei ist“, sagte er nach dem Rennen leise. „Dann falle ich in ein Loch, das größer ist als jede Loipe.“

Nawrath findet sein ritual wieder
Philipp Nawrath dagegen atmet auf. Erstmals seit Ruhpolding stotterte sein Magazin nicht. Null Fehler, Platz drei – für den 33-Jährigen ist das ein Sechs-Wochen-Horror entgültig beendet. „Treffen war heute das Einzige, was zählte“, sagte er, und man hört die Erleichterung über das Klicken der Drehscheibe. Die Saison ist für ihn keine Ausdauersünde mehr, sondern ein Saisonziel: jetzt noch einmal top drei in Oslo, dann Urlaub – ohne Reue.
Laegreid wird dort ebenfalls starten, vielleicht sogar gewinnen. Aber er weiß schon, dass die erste Nacht nach dem letzten Rennen die härteste wird. Kein Training um sieben, kein Skiwachs-Geruch, kein Adrenalin. Dafür eine Wohnung, in der jedes Geräusch nach Beichte riecht. Bis dahen heißt die Devise: Gas geben, bis die Seele taub wird. Die Zeitlupe des Herzens kommt danach.
