Ebnoutalib droht dfb-debakel: marokko ruft, frankfurt zittert

Younes Ebnoutalib hat es von der Regionalliga in die marokkanische A-Nationalmannschaft geschafft – und der DFB darf wieder einmal zuschauen, wie ein Talent vor der eigenen Haustüre abrutscht. Der 22-jährige Stürmer von Eintracht Frankfurt steht beim Nordafrika-Klub im vorläufigen Kader für die Testspiele gegen Ecuador (27. März) und Paraguay (31. März). Noch ist nichts in Stein gemeißelt, doch die bloße Tatsache reicht, um in Frankfurt und im DFB-Kreis Herzrhythmusstörungen auszulösen.

Frankfurter jungs mit marokkaniscem pass sind kein einzelfall

Mit Ayoube Amaimouni-Echghouyab reist ein zweiter Adler-Kollege auf dieselbe Liste. Der 21-Jährige, erst im Winter aus der 3. Liga zugeschlagen, hat in neun Bundesliga-Einsätzen bereits zwei Treffer erzielt. Auch er trägt deutschen Schulstoff in der Tasche, aber das marokkanische Erbe ruft lauter. Beide Spieler wuchsen im Rhein-Main-Gebiet auf, beide besitzen neben dem deutschen noch einen marokkanischen Reisepass – und genau das macht den DFB nervös.

Der Grund: Länderspiel-Einsätze in Testmatches binden nicht endgültig. Doch die Psychologie wirkt trotzdem. Wer einmal das Nationaltrikot überstreift, schnüffelt am Globus-Duft der großen Bühne. Und plötzlich klingt der Ruf des Landes, in dem man aufwuchs, nicht mehr ganz so verlockend. Paul Wanner hat’s vorgemacht – kurz vor ihm hat er sich für Österreich statt Deutschland entschieden. Die Angst vor dem Domino-Effekt ist real.

Die leistungsdaten sprechen für sich

Die leistungsdaten sprechen für sich

Bevor Ebnoutalib im Winter nach Frankfurt wechselte, jagte er der 3. Liga die Tore hinterher: zwölf Treffer in der Hinrunde für SV Elversberg. Sein erstes Spiel für die SGE – direkt ein Tor gegen den BVB. Dann das Knie, ein Dreher, drei Wochen Pause. Nun ist er zurück, schnürt wieder die Stollenschuhe im Stadion am Main, und die Woche darauf steht er womöglich in Rabat auf dem Trainingsplatz. Die Karriere-Frequenz: von 0 auf 180 in weniger als zwei Jahren.

Für Eintracht-Coach Dino Toppmöller ist das eine Momentaufnahme mit doppeltem Boden. Er gewinnt einen frischen Stürmer zurück, der Wettkampf-Praxis braucht – und verliert ihn vielleicht für zehn Tage an ein anderes Kontinenteam. „Wir freuen uns, dass Younes wieder voll belastbar ist“, sagt er lapidar. Mehr will er nicht dazu sagen, weil internationale Länderspiel-Termini die Bundesliga-Kalender immer weiter zerreißen.

Dfb sitzt auf dem trockenen

Die deutsche U-21 hat ihn nie berufen, die A-Nationalmannschaft schaute höchstens aus der Ferne. Jetzt könnte der DFB nur noch mit schnellen Appellen nachlegen – doch die Frist läuft. Marokko wirbt mit Spielzeitgarantie, mit Familiennähe, mit der Aussicht auf ein WM-Ticket 2026. Und Ebnoutalib? Der schweigt, lächelt, schießt – und schaut, wohin das Tor ihn trägt.

Am Wochenende steht Heidenheim an der Kinzig, der Eintracht-Kader wird veröffentlicht. Wenn sein Name daraufsteht, dauert es höchstens 72 Stunden, bis er in das Flugzeug Richtung Westafrika steigt. Dann trägt er statt des Adlers den Löwen auf der Brust. Die Geschichte eines Jungen aus dem Stadtteil Riederwald, der durch die Liga-Katapulte schoss, hat ihren nächsten Akt erreicht – und der DFB darf wieder einmal von außen zuschauen, wie schnell sich Fußball-Welten drehen.