Herz-op stoppt niklas behrens – visma-talent muss saison unterbrechen

Niklas Behrens liegt wieder auf dem OP-Tisch. Nach Schlüsselbein und Sturz folgt jetzt die Katheter-Ablation – ein Eingriff, der sein Herz wieder in Takt bringen soll. Die Saison ist damit vorerst gestoppt, der Traum vom WorldTour-Comeback auf Eis gelegt.

Der sturz war erst der anfang

Im Februar krachte der 22-Jährige beim Training auf asphaltiertes Gelände. Schulter ausgekugelt, Schlüsselbein gebrochen, Saisonstart abgesagt. Was danach kam, wusste bislang nur der interne Medizin-Chat des Teams: ventrikuläre Arrhythmien, ein elektrisches Kurzschlussfeuer im Herzmuskel, das selbst in Ruhe Spitzenwerte von 200 Schlägen pro Minute erzeugt. „Man spürt, wie das Herz kurz aus der Brust springt“, sagte Behrens im internen Briefing. „Dann wird alles schwarz.“

Visma-Lease-a-bike bestätigte am Montag, dass die Ablation Ende März in Herne erfolgt. Minimalinvasiv, sagt der Klub. Routine, versichern die Ärzte. Nur: Bei einem 1,95-Meter-Rohling, dessen Herz unter maximaler Sauerstofflast arbeitet, ist nichts alltäglich. Die Katheter müssen bis in die Herzkranzgefäße vordringen, um feuermachende Zellen zu veröden. Durchschnittliche Ausfallzeit: vier Monate. Das bedeutet Giro, Tour und Vuelta ohne den sprinterstarken Deutschen.

Zweiter frust nach dem vorjahrs-crash

Zweiter frust nach dem vorjahrs-crash

Bereits 2024 riss ihm die UAE-Tour den Schlüsselbein-Fetzen heraus. Seither kämpfte er sich in Formtests mühsam zurück – 94 Prozent der letzten Messwerte, verriet Performance-Chef Mathieu Heijboer, seien wieder auf WorldTour-Niveau. Doch die Herzdaten blieben unausgeglichen. „Wir haben jede Nacht ein 24-Stunden-EKG am Rechner“, sagt Heijboer. „Die Kurve sprang wie ein Berg-Abfahrt-Profil.“

Für Behrens ist es der zweite Karriere-Knacks innerhalb von 13 Monaten. Sein Vertrag läuft noch bis 2027, doch der Druck wächst. Im Visma-System gilt: Nur wer Punkte sammelt, behält den Platz. Die niederländische Crew hat bereits 24 Fahrer unter Vertrag – plus zwei Neo-Profis für 2026. Einen sicheren Slot gibt es nicht.

Der späte radsportler will sich nicht ergeben

Andere würden aufgeben. Behrens nicht. Der gebürtige Bochumer stieg erst mit 16 vom Triathlon um – zu groß, zu schwer für die Poolwette, lautete das Urteil der Schwimm-Trainer. Dafür perfekt für die flache Sprint-Position auf dem Rad. In der U23-WM von Zürich katapultierte er sich 2024 mit einer Endgeschwindigkeit von 78 km/h ins Regenbogentrikot. Seitdem trägt er die Startnummer 1 – zumindest in der Erinnerung der Fans.

„Ich werde mit derselben Konzentration genesen, die ich in jeden Sprint lege“, ließ er über das Team verlauten. Kein Pathos, kein Schwelgen. Stattdessen Trainingsdaten studieren, um sich mental fit zu halten: „Ich kann es kaum erwarten, wieder eine Nummer auf dem Rücken zu spiegeln.“

Die Ärzte nennen einen spätsommerlichen Return möglich. Doch selbst das ist ein frommer Wunsch. Denn nach der Ablation droht ein erneutes Nachbrennen. Jeder zweite Sportler muss nachstatten lassen. Die Quote steigt, je höher die Belastung ausfällt. Sprinter mit 1.000 Watt-Sprints gelten als Extremfall.

Die entscheidende Frage lautet also nicht, wann er zurückkommt – sondern: wie explosiv das Herz dann noch schlägt. Sollte die Katheter-Strategie greifen, winkt spätestens 2026 ein neuer Anlauf. Die Saison 2025 aber ist für ihn gelaufen, bevor sie richtig begann. Ein leeres Konto, null UCI-Punkte. Die Arithmetik der Konkurrenz ist gnadenlos.

Visma-Lease-a-bike wird ihn nicht fallen lassen – das verspricht Sportdirektor Merijn Zeeman. „Wir investieren in Menschen, nicht in Aktienkurse.“ Doch hinter den Kulissen läuft bereits die Nachbesetzung. Wer in den Niederlanden nicht vorankommt, rutscht schnell ins Development Team ab. Dort wartet das nächste Talent mit ebenso großen Augen wie ungebrochenem Selbstvertrauen.

Für Niklas Behrens heißt es jetzt: Liegen bleiben, Herz schonen, Atemzüge zählen. Der Countdown läuft – nicht auf den Sprint, sondern auf den nächsten Herzschlag. Er wird ihn überleben. Ob er damit auch die WorldTour überlebt, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Die Uhr tickt. Und das Peloton wartet nicht.