Herz-op stoppt niklas behrens: der nächste schlag trifft den sprinter mitten ins leben

Niklas Behrens sitzt im Rollstuhl seines Traums. Der 22-Jährige, der 2024 noch die U-23-WM in Zürich gewann, muss sich Ende März einerHerz-Ablation unterziehen. Die Rhythmusstörungen, die sein Team Visma-Lease-a-bike am Freitag bestätigte, werfen den Sprinter mindestens bis Saisonmitte raus – das zweite Aus nach Schlüsselbeinbruch und Trainingssturz innerhalb von zwölf Monaten.

Die diagnose traf ihn wie ein vorderreifen bei 70 km/h

Die Ärzte sprechen von „routine“, doch das Wort zerreißt in Behrens’ Mund. Sein Körper, sonst gemacht für 1.000 Watt in der letzten 200-Meter-Sprint, wird zur Baustelle. „Ich werde meine Genesung mit derselben Konzentration angehen, die ich in jedes Rennen einbringe“, sagt er – und klingt dabei wie ein Mann, der gerade gelernt hat, dass Asphalt nicht der einzige Gegner ist.

Die Karriereuhr tickt laut. Profijahr zwei, Vertrag bis 2027, bisher Null Rennkilometer 2025. Die UAE-Tour 2024 war seine letzte Etappe – Sturz, Schlüsselbein, Schrauben. Danach der zweite Sturz im Trainingslager Valencia, jetzt die Elektroden statt des Einsatzes. Visma gibt sich optimistisch: „Wir rechnen mit einem Comeback im Laufe der Saison.“ Doch Sprint-Trainingslager beginnen im Mai, die Tour de France ist im Juli. Zeitfenster? Schmal.

Vom schwimmbecken in die herz-op – eine metapier, die weh tut

Vom schwimmbecken in die herz-op – eine metapier, die weh tut

Behrens war kein Kind auf dem Rad. Er schwamm, er lief, er kam spät, aber mit 1,95 m Turbo-Körper. Den Sprung vom Triathlon ins Peloton schaffte er, weil er Schmerz verschlingt wie Kohlehydrate. Jetzt liegt er in der Klinik, nicht auf der Piste. Die Startnummer 61 von Zürich hängt im Keller, die Elektrokardiogramme sind seine neuen Bestzeiten.

Die Herzkatheter-Ablation verödet Reizleitungen, die verrückt spielen – Millisekunden, die über Sieg oder Kollaps entscheiden. 95 % Erfolgsquote, sagen die Kardiologen. Doch die verbleibenden 5 % sind der Grund, warum sein Telefon nachts leise ist. Keine Anfragen von Rennorganisatoren, nur SMS von der Teampsychologin.

Visma-Lease-a-bike drückt die Daumen, sponsert aber schon den nächsten Sprinter. Der Radsport wartet nicht. Wer lange fehlt, wird ersetzt – erste Regel im WorldTour-Dschungel. Behrens weiß das. Deshalb der Satz, der seinem Statement den letzten Atem gibt: „Ich kann es kaum erwarten, mir wieder eine Startnummer anzustecken.“ Dort, wo andere nach der OP Pause machen, will er schon wieder in die Pedale beißen.

Die Saison läuft ohne ihn. Die Herzen der Fans schlagen trotzdem – einige schneller, einige langsamer. Bei Niklas Behrens zählt ab April jeder Schlag.