Berisha-beben: vaduz-defensivchef fliegt ins spital – aarau entkommt mit blauem auge

Ein Schlag, ein Knall, ein Kreischen – und Liridon Berisha lag am Boden. Der 29-jährige Innenverteidiger des FC Vaduz riss sich nach dem frontalen Zusammenprall mit David Acquah die Hände ans rechte Knie, rollte sich zusammen, spürte, dass dies kein normaler Schmerz war. Sekunden später humpelte er, von zwei Betreuern gestützt, in den Katakomben des Stadions Brügglifeld. Er kam nicht mehr zurück. Die Diagnose: schwere Verdachtsdiagnose auf Innenbandriss. Die Folge: Soforttransport ins Kantonsspital Aarau. Die Nachricht traf den FC Vaduz wie ein Vorschlaghammer.

Die Szene, die für diesen Schock sorgte, war keine groteske Großtat. Es war ein ganz normales 44-Minuten-Zweikampf, wie ihn jedes Wochenende dutzende Male geschehen. Acquah wollte klären, Berisha blockte – beide setzten Vollgas, beide trafen ungestüm aufeinander. Der Unterschied: Acquah stand nach dem Aufprall wieder auf, Berisha nicht.

Ein schiri, zwei ellbogen und kein pfiff

Doch die Geschichte beginnt eigentlich schon fünf Minuten zuvor. Serge Müller, Aarau-Verteidiger, stieg bei einem Kopfballduell hoch, streckte den Ellbogen aus und traf Berisha mitten im Gesicht. Wolfensberger, der Unparteiische, deutete sofort Richtung Eckfahne – kein Foul, kein Elfmeter, kein VAR-Einschreiten. Vaduz-Trainer Marc Schneider tobte an der Seitenlinie, seine Assistenten schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Die Statistik verrät: Die Gäste hatten in dieser Saison bereits vier Elfmeter zugesprochen bekommen, Aarau keinen einzigen. Der Zufall will es, dass ausgerechnet jener Pfiff fehlte, als Vaduz am dringendsten einen brauchte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Berisha bestritt 25 der bisher 26 Challenge-League-Spiele, erzielte dabei drei Tore, gewann 57 Prozent seiner Zweikämpfe und führt die internen Laufleistungswerte seiner Mannschaft an. Ohne ihn sieht die Defensive der Liechtensteiner plötzlich aus wie ein Schweizer Käse: In den fünf Partien, in denen er fehlte, kassierte Vaduz durchschnittlich 2,2 Gegentore – mit ihm nur 1,1.

Der grat zwischen unfall und kalkül

Der grat zwischen unfall und kalkül

Die Frage, die sich nach dem Spiel in der Kabine schob, lautet: Wie viel Rabatz darf sein? Müllers Ellbogen war offensichtlich, Acquahs Rettungstat dagegen schwerlich als vorsätzlich zu werten. Dennoch: Wenn zwei harte Fouls an einem einzigen Spieler vorbeirauschen, ohne dass der Schiedsrichter eingreift, verflüchtigt sich schnell das Gefühl für Fairness. „Wir haben Videos, wir haben Beweise, und wir werden sie prüfen“, zischte Schneider nach dem Abpfiff, ohne Details nennen zu wollen. Intern ist man bei Vaduz jedenfalls empört: Man werde „alle rechtlichen Schritte prüfen“, heißt es aus dem Vorstandsetage.

Die Konsequenzen für den FC Vaduz sind existenziell. Mit 42 Punkten hängt das Team zwei Zähler hinter dem Relegationsplatz, am Sonntag geht es nach Winterthur, dann folgen Schlachten gegen Xamax und Lausanne. Fehlt Berisha länger, rückt der 19-jährige Fabio Fehr in die Startelf – ein Talent, das in dieser Saison gerade einmal 76 Minuten gespielt hat. Die Rufe nach einer Nachverpflichtung werden laut, doch das Transferfenster ist zu, der Kader fix. Schneider bleibt nur eins: Umstellen, improvisieren, hoffen.

Und Aarau? Die Rüebliläner feiern einen 2:1-Sieg, festigen Platz vier und beharren darauf, „keine böse Absicht“ gehabt zu haben. Sportchef Philipp Kresnik twitterte noch in der Nacht ein Foto der Jubelkabine mit dem Kommentar „Charaktertest bestanden“. Die Ironie: Genau in der Minute, in der Kresnik den Beitrag postete, rollte Berisha bereits in der MRT-Röhre. Der Charaktertest steht also noch aus – für beide Seiten.