Herzog vor spektakulärem comeback gegen seinen künftigen klub
Die Liga-Spitze schielt schon seit Tagen nach Zug. Jetzt könnte das Fehlen von Fabrice Herzog endlich ein Ende haben – und wie: Erst am Dienstag sickerte durch, dass der 31-Jährige heute gegen genau jene Rapperswil-Jona Lakers aufläuft, für die er ab Sommer spielt. Ironie der Eishockey-Götter? Oder ein Statement vor dem Playoff-Endspurt?
Herzog selbst schwieg nach dem Training, ließ aber durchblicken, dass er die grüne Startampel sieht. „Wenn der Körper mitspielt, bin ich dabei“, sagte er knapp. Das klingt nach Jasmin, klingt nach Kampf – und klingt vor allem nach einem Mann, der weiß, dass diese Partie mehr ist als ein regulärer Hauptrunden-Auftakt.
Die statistik, die ihn jagt
Acht Punkte in 46 Spielen. Das ist für Herzog, der sich selbst als „Zahlenjongleur“ bezeichnet, ein veritables Minusgeschäft. Die Nullserie nach Peking nagt am Selbstvertrauen. Zugs Assistenz-Trainer Andreas Herzig nennt das eine „lebenslängliche Motivation“. Denn wer einmal Olympia luftete, für den zählt nur die nächste Herausforderung – und die heißt Playoffs.
Die Lakers wiederum wissen, was auf sie zukommt. „Er kennt jeden Zentimeter unserer Defensive, weil er sie jeden Tag in Trainingsspielen attackiert hat“, sagt Verteidiger Janik Loosli. Nun muss er gegen seinen künftigen Anführer checken. Eine psychologische Achterbahn, die sich in Eiszeit abspielt.

Warum zug auf herzog setzt
Der EVZ hat in den letzten zwölf Partien nur jedes zweite Spiel gewonnen. Die Powerplay-Quote schrumpfte auf 17 %. Genau hier soll Herzogs Erfahrung greifen: 102 National League Playoff-Einsätze, zwei Meistertitel, ein Gegner-Reading, das so präzise ist wie ein Schweizer Uhrwerk. „Er bringt Ruhe ins kleine Spiel und schaltet sich selbst dann ein, wenn andere den Kopf hängen lassen“, sagt Kapitän Sven Senteler.
Doch es gibt ein Risiko. Herzog trainierte nur zwei Tage voll mit, die Schulter ist geschient, die Hüfte gepolstert. Ein Check gegen die Bande kann alte Risse wieder aufreißen. Für Zug heißt das: Vollgas mit Ansage. Für Herzog: Alles oder nichts.
Die Fans jedenfalls sind elektrisiert. Tickets für heute Abend wechseln auf dem Sekundärmarkt für über 120 Franken die Besitzer. Die Botschaft lautet: Wenn Herzog aufläuft, glaubt Zug wieder an den Titel. Lässt er sich nochmals aus, könnte die Saison endgültig ins Schleudern geraten.
Um 19.45 Uhr fällt der erste Bully. Dann zeigt sich, ob Fabrice Herzog die Eisfläche betritt – oder ob die Verletzung erneut zuschlägt. Eines ist sicher: Die Liga schaut hin, die Lakers ebenso. Und die Uhr tickt. Tickt laut.
