Eintracht braunschweig kratzt am wunder – spätes tor kostet den abstiegsgipfel

Der Punkt aus Paderborn schmeckt wie ein Sieg, schmeckt aber auch nach bitterer Niederlage. Weil Sven Michel in der 98. Minute einköpft, bleibt Eintracht Braunschweig statt auf Platz 14 auf dem Relegationsplatz 15 kleben – und muss weiter bangen.

Backhaus zieht die reißleine, bevor er pfeift

Trainer Heiner Backhaus atmet tief durch, bevor er ins Mikro von Sky greift. „Wir Trainer sollten uns da raushalten“, sagt er, nachdem Schiedsrichter Lukas Benen den dritten Platzverweis gegen die Löwen in dieser Saison gezückt hat. Er will Patrick Nkoas Rote Karte nicht bewerten, will auch nicht sagen, ob Lukas Frenkert vor dem 1:1-Ausgleich gefoult wurde. Stattdessen laviert er sich aus der Schusslinie, bevor die Kritik ihn trifft. Klug. Denn wer jetzt pfeift, kassiert am Ende vielleicht selbst die Kündigung.

Die Zahlen sprechen trotzdem für sich: 30 Minuten in Unterzahl, 21 Gegentreffer in den letzten zehn Minuten dieser Spielzeit – mehr als jeder andere Zweitligist. Die Eintracht ist ein Verein, der sich selbst in die Knie schießt, wenn die Uhr auf 80 springt.

Robin heußers joker-drill funktioniert, aber nur 13 minuten

Robin heußers joker-drill funktioniert, aber nur 13 minuten

Ein Fehlpass von Felix Götze, ein scharfer Konter, ein eiskalter Abschluss. Robin Heußer trifft zum 1:0 und schreit sich die Seele aus dem Leib. Kurz darauf vergibt er das 2:0, weil Keeper Dennis Seimen den Ball beim Aufbau verschenkt. Die nächste Szene: Nkoa foult, Rot. Spiel gedreht. „Wir müssen das zweite machen“, sagt Backhaus, „und kriegen genau in dieser Szene eine Rote Karte.“ Der Satz klingt wie ein Mantra, das er bis Saisonende nicht mehr loswird.

In der Kabine herrscht dennoch Erleichterung. Der Relegationsplatz ist ein Schock, aber immerhin kein Abstieg. Die Stimmung ist so zerrissen wie das Spiel: Stolz auf die kämpferische Moral, Wut über die späte Strafe. Die Spieler wissen: So geht es weiter. Nächste Woche gegen Hannover. Derby. Noch mehr Druck. Noch spätere Tore.

Backhaus blickt nach vorn. „Wir müssen alle die Nerven behalten“, sagt er. Dabei klingt es wie ein Selbstgespräch. Denn wenn Braunschweig nicht lernt, Spiele zuende zu bringen, wird die Nervosität nicht weniger. Sie wird nur lauter.