Hecking rettet wolfsburg: bauer und christiansen raus – rettung oder letzter versuch?

Wolfsburg schlägt zurück. Nicht mit einem Sieg, sondern mit einem Schlachtplan. Nach dem 1:2 gegen Hamburg flogen nicht nur Bengalos, sondern auch zwei Köpfe: Trainer Daniel Bauer und Sportchef Peter Christiansen sind Geschichte. Dieter Hecking, der Mann, der 2015 hier den Pokal holte, kehrt als Notarzt zurück.

Ein club am rande des nervenzusammenbruchs

Die Szarie nach dem Abpfiff sagt alles. Spieler, die sich mit Gegnern rangeln, ein Ersatztorhüter, der Rot sieht, Fans, die den Rasen in Flammen setzen. Pirmin Schwegler, frisch als Sportdirektor im Amt, stand neben Diego Benaglio in der Kurve und versuchte, die eigene Anhängerschaft zu beschwichtigen. Was blieb, war Asche – und die Erkenntnis, dass nur noch ein Sieg aus elf Spielen reicht, um nicht in Liga zwei abzustürzen.

Daniel Bauer hatte es noch am Samstag vor der Demontage gesagt: „Die Kultur hier ist nicht bundesligatauglich.“ Er sprach von fehlender Professionalität, von einem Verein, der sich selbst zerfleischt. Drei Tage später ist er selbst weg. Die Entscheidung fiel um 10:07 Uhr, wie Vereinsangaben verraten. Christiansen, einst als Frauenförderer gelobt, durfte seine Sachen packen, weil bei den Männern „die sportlichen Ergebnisse fehlten“, wie Aufsichtsratschef Sebastian Rudolph knapp kommentierte.

Hecking kennt die gänge, aber nicht diese trümmer

Hecking kennt die gänge, aber nicht diese trümmer

Der 61-Jährige unterschrieb bis Saisonende mit Option. „Zurückzukommen bedeutet mir viel“, sagt er, obwohl er weiß, dass seine letzte Station Bochum in einem Desaster endete. Statistiker werfen ein: Unter Hecking holte Wolfsburg 2014/15 1,67 Punkte pro Spiel. Aktuell liegt der VfL bei 0,77. Die Lücke ist ein Abgrund.

Sein erstes Aufgalopp: Samstag in Hoffenheim. Dort wartet ein Gegner, der selbst zwischen Champions-League-Traum und Chaosklub schwankt. Wenn Wolfsburg dort verliert, könnte der Rückstand auf Platz 16 auf fünf Punkte anwachsen. Zeit für Tiki-Taka bleibt nicht. „Wir müssen dreckig gewinnen“, sagt Kapitän Maximilian Arnold. „Scheißegal wie.“

Die Fans haben ihre Sympathie zurückgezogen. Keine Schlachtgesänge mehr, nur noch gellende Pfeifkonzerte. Hecking muss nicht nur eine Mannschaft retten, sondern eine ganze Stadt vom Glauben an den Abstieg abhalten. Der Countdown läuft: neun Spiele, ein Ziel – Überleben. Der Pokalheld von einst ist jetzt der letzte Joker. Wenn er verliert, verliert Wolfsburg vielleicht mehr als nur eine Liga. Es verliert sich selbst.