Hawk-eye unter beschuss: zverev, rybakina zweifeln an madrid-system!

Die Tenniswelt brodelt! Elena Rybakina, Alexander Zverev und zahlreiche weitere Top-Spieler äußern Zweifel am Line-Calling-System von Hawk-Eye, das bei den Madrid Open zum Einsatz kommt. Was zunächst wie ein Einzelfall wirkte, entpuppt sich als systemisches Problem, das die Integrität des Spiels in Frage stellt.

Der zorn der asse: fehlentscheidungen auf sand

Rybakinas Ausbruch am vergangenen Sonntag war symptomatisch für eine wachsende Unzufriedenheit. „Das ist kein Witz, das System liegt falsch!“, schrie die Australian-Open-Siegerin, nachdem das ELC einen Aufschlag ihrer Gegnerin Qinwen Zheng um Haaresbreite als „in“ gewertet hatte – obwohl der Ball deutlich aus der Linie war. Zverev, der in Madrid ebenfalls mit fragwürdigen Entscheidungen zu kämpfen hatte und den Abdruck eines Balls mit seinem Handy fotografierte, ist ein weiteres prominentes Beispiel für die zunehmende Skepsis.

Die tückische natur des roten untergrunds

Die tückische natur des roten untergrunds

Doch warum kommt es überhaupt zu diesen Diskrepanzen? Die Antwort liegt in der Beschaffenheit des Sandplatzes. Im Gegensatz zu Hart- oder Rasenplätzen ist der Sand ein „lebendiger“ Belag. Je nach Menge des ausgetragenen Ziegelmehls variiert die Größe des Ballabdrucks erheblich. Bei den Madrid Open wird üblicherweise etwas mehr Ziegelmehl als gewöhnlich aufgetragen. Der Aufprall eines Balls mit 150 km/h erzeugt dabei eine Art Mini-Explosion, die einen Teil des Untergrunds in die Luft schleudert und einen Abdruck hinterlässt, der größer ist als der Ball selbst. Die Technologie erfasst diesen vermeintlichen Abdruck, während das menschliche Auge die Realität – den Ball im Aus – sieht.

Paul Hawkins, der Erfinder von Hawk-Eye, bestätigte diese These in einem Interview mit der BBC: „Die weiße Linie auf dem Platz funktioniert wie eine Klippe. Wenn der Ball sie streift, kann er noch einige Millimeter weiterrollen, bevor er eine sichtbare Spur auf dem Sand hinterlässt.“ Das bedeutet, der Abdruck kann täuschen und den Eindruck erwecken, der Ball sei im Feld, obwohl er die Linie bereits berührt hat. Die ATP Tour hat in einem Video anschaulich demonstriert, wie diese optische Täuschung entsteht – ein Beweis dafür, dass es nicht die Technologie selbst ist, die versagt, sondern die physikalischen Gegebenheiten des Sandplatzes.

French open ohne technik: ein stück normalität?

French open ohne technik: ein stück normalität?

Die Erkenntnis, dass der Ballabdruck auf Sand eine Illusion sein kann, wirft ein interessantes Licht auf die Entscheidung der French Open, weiterhin auf menschliche Linienrichter zu setzen. Während die ATP und WTA weltweit auf Hawk-Eye setzen, verzichtet Paris zumindest in dieser Saison auf die elektronische Unterstützung. Gerade dort, wo die Diskussion über die Genauigkeit des Systems am vehementesten geführt wird, herrscht ein Stück weit Normalität. Ob die Diskussionen rund um das ELC-System durch die Aufklärungsarbeit der ATP allmählich abebben werden, bleibt abzuwarten.

Alexander Zverev, der im Vorjahr ebenfalls mit dem System zu kämpfen hatte, dokumentierte seine Zweifel mit einem Foto des vermeintlich falschen Abdrucks. Ein „Systemfehler“, wie er damals vermutete, der sich nun als ein Resultat der besonderen Bedingungen auf Sandplatz herausstellt. Die Spieler müssen sich anpassen, die Technologie wird weiterentwickelt – und die Tenniswelt lernt, dass selbst die modernste Technik nicht unfehlbar ist.