Havertz trifft zurück und zerstört leverkusens traum vom coup

Der Jubel war schon auf den Lippen, da trat Kai Havertz an und riss Bayer 04 Leverkusen die Sensation wieder herunter. Der Ex-Werkself-Star verwandelte in der 89. Minute einen umstrittenen Elfmeter zum 1:1 und verhinderte damit den ersten Champions-League-Sieg seiner alten Liebe gegen Arsenal. Die BayArena erstarb, die Gunners atmeten auf – und Havertz? Er feierte, als hätte er nie woanders gespielt.

Andrich liefert den mutigen auftritt, den das spiel brauchte

Robert Andrich wusste, dass er sich keine zweite Gelbe Karte leisten konnte. Die erste hatte er bereits nach 120 Sekunden kassiert, als er Viktor Gyökeres umwarf. Doch der Kapitän ließ sich nicht bremsen. Er grätschte, er kämpfte, er leitete – und wurde nach der Pause zum Matchwinner. Nach einer Ecke von Alejandro Grimaldo stieg er am zweiten Pfosten hoch und köpfte die Werkself in Führung. Ein Tor, das für 83 Minuten wie der Einzug ins Viertelfinal schien.

Denn Arsenal wirkte ideenlos. Gabriel Martinelli traf nur die Latte, sonsten erschrzen die Gunners selten. Leverkusen verteidigte kompakt, ließ kaum Lücken – und hätte beinahe die eigene Stärke ausgenutzt: Standards. Ironie der Partie: Die Torschützenkönige der Premier League aus ruhenden Bällen kassierten ausgerechnet nach einer Ecke.

Der elfmeter, der alles kaputtmachte

Der elfmeter, der alles kaputtmachte

Malik Tillman war müde, sein Bein kam einen Tick zu spät. Noni Madueke fiel, der VAR schaltete sich ein, Schiedsrichter Halil Umut Meler zeigte auf den Punkt. Der Kontakt war minimal, die Entscheidung maximal. Havertz trat an – und schoss sein altes Publikum in die Depression. Die Arme ausgestreckt, das Gesicht abgewandt: Er wusste, wen er traf.

Leverkusen hatte sich verabschiedet, noch vor dem Anpfiff. CEO Fernando Carro überreichte ihm ein Bildband, die Fans applaudierten standing Ovation. Es war die Szene, die drei Jahre zuvor wegen Corona ausfiel – und die nun in bittere Ironie umschlug. Denn der Held von einst wurde zum Schurken. 150 Spiele, 46 Tore, 100 Millionen Euro – und ein einziger Schuss, der alles zunichte machte.

Die Sensation war greifbar. Dann war sie weg. Im Rückspiel in London braucht Bayer ein Wunder – oder einen neuen Andrich, der diesmal nicht nur kämpft, sondern auch trifft. Die Werkself wird kommen. Ob sie auch weiterkommt, entscheidet sich in einer Woche. Bis dahin bleibt nur das Gefühl: Dieses 1:1 schmeckt wie eine Niederlage.