Bayer leverkusen: europa league droht – andrich stellt bittere fragezeichen
Die Champions-League-Ambitionen von Bayer Leverkusen scheinen nach der deutlichen 1:3-Niederlage beim VfB Stuttgart in Rauch aufgegangen. Nach einer Woche der Achterbahnfahrt, die mit einem fulminanten Heimsieg gegen RB Leipzig begann, steht die Werkself nun vor dem möglichen Aus in der Königsklasse – und das liegt nicht zuletzt an einer erschreckenden fehlenden Mentalität, wie Kapitän Robert Andrich offen zugab.
Ein start, der trügt: stuttgart dreht das spiel
Die Anfangsphase ließ Hoffnungen aufkommen. Aleix Garcia brachte Bayer nach nur 34 Sekunden in Führung, ein idealer Start in ein entscheidendes Auswärtsspiel. Doch der Jubel währte nur kurz. Ermedin Demirovic glich nur fünf Minuten später aus, und wie Andrich ehrlich bemerkte: „Wir haben uns das dann wieder mit dem Arsch eingerissen.“ Stuttgart übernahm fortan die Kontrolle, diktierte das Spiel und nutzte die Leverkusener Schwächen gnadenlos aus. Die Schussbilanz von 20:6 spricht Bände und verdeutlicht die Dominanz der Schwaben.
„Wenn ich das Spiel anschaue, müssen wir ehrlich sein: Wir haben es uns nicht verdient“, gestand Andrich nach dem Schlusspfiff. Diese Selbstkritik trifft den Nagel auf den Kopf. Es war nicht nur die Niederlage, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kam, die Alarmglocken schrillen lässt. Die Chancen, sich dank eines gewonnenen Punktes gegen Hoffenheim und eines Patzers der Stuttgarter gegen Frankfurt noch für die Champions League zu qualifizieren, schwinden zusehends.

Charakterfrage im rheinland: steht der umbruch bevor?
Die Aussagen von Andrich lassen tiefere Fragen aufkommen. Er sprach von Spielern, die „zu viel mit sich selbst ausmachen“ und von einem Mangel an Zusammenhalt in der Mannschaft. Diese Kritik richtet sich indirekt auch gegen Trainer Kasper Hjulmand, dessen Ankunft im Sommer zwar eine gewisse Stabilität brachte, aber offenbar nicht ausreichte, um das Team in die Spur zu bringen. Die hochkarätigen Neuzugänge des vergangenen Sommers konnten sich unter Hjulmand nicht durchsetzen; Malik Tillmann, Ernest Poku, Eliesse Ben Seghir, Loic Badé und Ezequiel Fernandez saßen vorwiegend auf der Bank – Spieler, für die Bayer über 130 Millionen Euro investiert hat.
Sportchef Simon Rolfes steht vor einer Mammutaufgabe. Nicht nur die Zukunft von Hjulmand ist ungewiss, sondern auch die vieler Spieler. Der Sommer wird entscheidend sein, um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen und die fehlende Widerstandsfähigkeit der Mannschaft zu beheben. Das entscheidende Spiel gegen den Hamburger SV am kommenden Wochenende wird zeigen, ob die Leverkusener noch einmal alles nach vorne werfen und den letzten Funken Hoffnung am Leben erhalten können.
Die Faszination des Fußballs liegt oft im Unerwarteten – doch in Leverkusen scheint derzeit eine tieferliegende Problematik zu existieren, die weit über einzelne Spieltage hinausgeht. Es braucht mehr als nur taktische Feinheiten; es braucht einen unbedingten Willen zum Sieg und die Bereitschaft, füreinander zu kämpfen. Ob Bayer Leverkusen diesen Willen wiederentdecken kann, wird zeigen, ob die europäische Bühne im nächsten Jahr noch ein Thema ist.
